Mein Name (zumindest im Internet) ist Liv, ich bin 32 Jahre alt und quasi mit Katzen und auch anderen Tieren aufgewachsen.
Die erste Katze - Julchen - kam zu uns ins Haus, als ich sechs Jahre alt war. Ein Jahr später kam eine zweite - Lucy - hinzu. Hinterher merkten wir, dass Julchen nicht sonderlich begeistert vom Neuzugang war. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer. Die beiden arrangierten sich aber ganz gut miteinander. Es war keine große Liebe, und wo es möglich war ging man sich aus dem Weg, aber es herrschten auch keine Revierkämpfe bis aufs Blut. Sie schliefen sogar beide mit mir in meinem Bett (und das war damals noch so einen kleines Einzelbett, heute frage ich mich, wie das jemals funktionieren konnte).
Lucy wurde leider nur sechs Jahre alt, Julchen dafür stolze 18. Nach ihrem Tod, am 19. Februar 2003, fuhren wir (ich wohne mit meiner Mutter und ihrem Lebensgefährten in einem Zweifamilienhaus) ins nahegelegene Tierheim, denn ohne Katze konnten wir uns das Leben alle nicht so recht vorstellen. Die Auswahl war, wie vermutlich in den meisten Tierheimen, ziemlich groß. Es gab zwei Zimmer; ein kleineres mit drei Katzen und ein etwas größeres. Wir gingen zuerst in das kleinere. Auf einem Kratzbaum saß eine getigerte Katze, die auch gleich anschnurrte. Unten, am Fuß des Kratzbaums, saß ein "kräftiger" schwarz-weißer Kater. Die dritte sah man erst gar nicht. Ein schwarz-weißes Katzenmädchen mit schwarzer Nase, die uns aus riesigen ängstlichen Augen anschaute.
Die nette Tierheimmitarbeiterin nannte uns die Namen der Katzen und erzählte uns ein bisschen über sie. Was sie uns über den Kater erzählte machte mich direkt auf ihn aufmerksam. Er war wegen Aggressionen und Bissigkeit abgegeben worden und saß schon seit einem Jahr im Tierheim, weil ihn niemand haben wollte. Auf mich machte er einen äußert freundlichen und neugierigen Eindruck, strich mir um die Beine und ließ sich streicheln. Im Grunde hatte ich (oder vielmehr ER) zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung getroffen.
Über die kleine schwarz-weiße hieß es, dass sie extrem scheu sei, sich nicht anfassen ließ und sie vermutlich eine Wildkatze war und auch immer bleiben würde. Sie saß schon seit zwei Jahren im Tierheim.
Wir sahen uns der Form halber noch die anderen Katzen an. Meine Mutter liebäugelte mit einer grau-getigerten, die durch einen Unfall ihren Schwanz verloren hatte, aber sehr zutraulich war. Aber so richtig entscheiden wollte sich niemand. Ich drängte nochmal zurück ins kleine Zimmer zu gehen. Das Zimmer war durch eine Tür verschlossen, die in der Mitte eine Einfassung aus Glas hatte und ich linste hindurch. Felix - der Kater mit dem Beißproblem - saß ganz ruhig auf der anderen Seite uns blinzelte mich an. Da war's um mich geschehen und ich sagte nur noch: Den da!
Meine Mutter war nicht sonderlich begeister "Ohje, en Kater und dann auch noch aggressiv", aber mir war das egal.
Als wir zu Hause ankamen und das Türchen der Transportbox öffneten, fühlte er sich gleich wie zu Hause. Am nächsten Tag mussten wir alle Nachmittags zu Geburtstagsfeier. Abends fanden wir dann ein Pfützchen auf dem Teppich.
Wir gingen davon aus, dass er das Allein-Sein nicht sonderlich toll fand und fuhren am Tag darauf nochmal ins Tierheim um einen Gefährten für ihn zu besorgen. Wir entschieden uns für Nina, die kleine scheue, aus dem gleichen Zimmer. Letztendlich war der Grund für das Pfützchen nicht das Verlangen nach einer anderen Katze - denn Felix war absoluter Einzelgänger und verteidigte sein Revier mit allen Mitteln. *seufz* Meine Mutter war drauf und dran ihn wieder zurück zu geben - aber das kam nicht für mich in Frage! Es folgte ein langer, langer Kampf, denn in der Tat verhielt er sich nicht nur Nina gegenüber aggressiv, sondern (wie von der Tierheimmitarbeiterin erwähnt) auch hin und wieder Menschen gegenüber.
So kam es, dass wir die beiden nach einigen Monaten wieder trennen mussten. Nina zog unten bei meiner Mutter ein, und Felix blieb
Es folgte ein langer und schwerer Kampf, denn Felix war in der Tat aggressiv und bissig und meine Mutter war drauf und dran ihn wieder zurück zu bringen. Das kam für mich aber überhaupt nicht in Frage. Anfangs dachte wir noch, es läge daran, dass esr alleine war. Schließlich entschieden wir uns dazu, die beiden zu trennen. NIna blieb in der Erdgeschosswohnung bei meiner Mutter, Felix zog bei mir im ersten Stock ein. Ich habe diese Entscheidung und den Kampf um ihn nie bereut.
Mit der Zeit merkte ich, in welchen Situationen er aggressiv wurde (bis dahin habe ich einige Narben und blaue Flecken davon getragen, denn er "kleine" Kerl sprang los und biss sich regelrecht fest). Es waren Situationen, die ihm Angst machten, und wenn er dan bestimmten Stellen berührt wurde. Mit der Zeit lernten wir einander immer besser kennen, und es gelang mir am Ende zum einen die Situationen, die ihm unangenehm waren weitestgehend zu vermeiden und zum anderen ihm zu zeigen, dass nicht alles wovor er sich fürchtete, auch tatsächlich zum fürchten war.
Es folgten acht wunderbare Jahre, in denen wir uns voll aufeinander einließen. Er war nie ein Kuschelkater, aber er liebte es neben mir auf dem Sofa zu liegen und seine Hinterfüßchen an mich zu drücken. Wir saßen gemeinsam im Garten (jeder auf seinem eigenen Stuhl) oder standen in der Dämmerung auf dem Wäscheplatz und lauschten dem Rascheln der Mäuse im Gebüsch. Natürlich gab es auch viel Angst und Sorge. Unsere Nachbarn zur linken sind regelrechte Katzenhasser. -.- Dann war oft nachts unterwegs und kam sebstverständlich erst dann nach Hause, wenn es ihm genehm war. Einmal wurde er von einem Hund auf einen Baum gejagt, und Felix war wirklich keiner, der gerne kletterte. Aber trotz allem wusste ich immer, dass er bei mir richtig war. Er hat mich im Tierheim ausgesucht. Vermutlich wusste er warum.
Am 9. Februar 2011 starb Felix an den Folgen von FIV. Unser letzter Kampf dauerte fünf Wochen und ich wusste, dass wir ihn diesmal nicht gewinnen konnten. Es waren die fünf schlimmsten Wochen meines Lebens. Felix hat mich mehr über das Leben und mich selbst gelehrt, als es ein Mensch jemals können wird. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Und ich hoffe, dass ich ihn eines Tages wiedersehen werde.
Zwei Wochen nach seinem Tod, fuhr ich mit meinem besten Freund abermals ins Tierheim. Nina wohnt nach wie vor bei meiner Mutter, aber da wir ja getrennte Wohnungen haben, bekomme ich davon nicht viel mit. Und wie schon erwähnt, ohne etwas, das einem um die Füße plüscht fehlt einfach etwas. Es fiel mir trotzdem nicht leicht. Man fühlt sich wie ein Verräter, als würde man die eine Liebe gegen eine neue ersetzen. Mein Freund meinte jedoch: "Wenn du es sowieso irgendwann vorhast, dann kannst du es doch gleich machen. So muss ein Tier etwas weniger Zeit im Tierheim zubringen." Es erschien mir schlüssig und ich ließ mich überreden. Später sollte ich diesen Entschluss noch bereuen - aber - das möchte vorwegnehmen - es war letztendlich doch gut so, wie es kam.
Ich informierte mich vorab über die Website des Tierheims, wo einige Tiere mit einem kurzen Steckbrief und Fotos vorgestellt wurden. Da ich mir sicher war den Stress mit einem Freigänger ncht nocheinmal durchzustehen, entschied ich mich dazu zwei Wohungskatzen zu nehmen. Es gab auch direkt zwei Pärchen, die mich auf Anhieb interessierten. Ein Geschwisterpaar und ein "Überbleibsel" aus einem ehemaligen Dreiergespann. Wir fuhren hin, ganz unverbindlich, erstmal zum Gucken.
Beide Pärchen befanden sich direkt im ersten Zimmer, zusammen mit einem schwarz-weißen Kater, der mich von der Fellzeichnung her stark an Felix erinnerte. Wäre er kein Freigänger gewesen, hätte ich ihn wohl mitgenommen.
Aber wie heißt es so schon: Es kommt, wie es kommen soll.
Die Geschwister waren beide ein Jahr alt. Die eine war etwas ruhiger und zurückgezogener, die andere legte sich mächtig ins Zeug, wälzte sich auf meinem Schoß herum und leckte mir mit Begeisterung die Finger ab.
Bei dem anderen Pärchen verhielt es sich ähnlich. Im Steckbrief der beiden stand geschrieben, dass Pebbles, die getigerte, sehr zutraulich, neugierig und verschmust sei. Fee hingegen sei sehr sensibel und zurück gezogen, käme nur bei Zuwendung aus sich heraus und sei mit den Bedingungen im Tierheim vollkommen überfordert (für mich schon ein "Pluspunkt", der für's Mitnehmen spricht). Während ich mich von Pebbles und Ivory beschnüffeln und abschlabbern ließ, versuchte ich mit Rufen Fee aus der Reserve zu locken. Sie drehte sich auch prompt auf dem Kratzbaum, auf dem sie saß um, hopse herunter und auf den Schoß meines Freundes. Die Tierheimmitarbeiterin war regelrecht erstaunt: "Oh, das ist ungewöhnlich, das macht sie normalerweise nicht." (Pluspunkt Nr.2)
Nun ja, lange Rede kurzer Sinn, auch nach zwanzig weiteren Katzen konnte (und wollte) ich einfach keine vorschnelle Entscheidung treffen, denn beide Pärchen hatten es mir letztendlich angetan. Wir fuhren mit leeren Körben wieder heim und ich nahm mir zwei Tage zum darüber nachdenken. Klappte allerdings weitaus weniger, als ich mir erhofft hatte. Nach endlosem Abwägen, Vergleichen, Sinn-Hinterfragen und Gewissenskonflikten entschied ich mich für Pebbles und Fee. Beide waren schon älter, als die anderen. Fee musste da dringend raus, und ihre ungewohnte Zutraulichkeit (wenn vorerst auch nur meinem Freund gegenüber und nicht mir
) war dann der entscheidende Punkt.In den folgenden Wochen sollte ich merken, welch gewaltiger Unterschied doch besteht, zwischen einem Einzelgänger mit Freigang und zwei sehr aktiven, neugierigen und Menschenbezogenen Wohungskatzen. Was bin ich alleine an Pebbles ungebrochener Neugier in der ersten Zeit verzweifelt. Auch um die beiden musste ich wiedermal einen Kampf ausfechten - diesmal jedoch mit mir selbst. Ich spürte, dass der Tod von Felix noch zu tief saß (und der meines Vaters, der am 1.1. 2011 gestorben war
), und ich mir doch mehr Zeit hätte nehmen müssen. Nun war es zu spät, denn Zurückbringen kommt für mich grundsäzlich nicht in Frage.Mittlerweile haben wir uns prima miteinander arrangiert. Kämpfen lohnt eben immer.
An Pebbles chaotische Art habe ich mich längst gewöhnt, und daran, dass sie mindestens einmal täglich meine Sockenschublade ausräumt. Fee (Plüschi) hat sich auch zu einer regelrechten Schmusekatze entpuppt und schläft nachts am liebsten eng an mich gekuschelt unter der Bettdecke.Allerdings macht mir Pebbles seit einigen Tag Sorgen. Vor etwas über einer Woche (vergangenen Dienstag) fing sie Abends plötzlich an ihr Futter zu verweigern. Da ich kurz zuvor erst eine Futerumstellung vorgenommen hatte, dachte ich mir noch nichts dabei und bot ihr am nächsten Tag einfach wieder die alte Sorte an. Sie aß ein paar Brökchen und wenige Minuten später kam es wieder raus. Nun war dieses morgendliche Erbrechen auch nichts Neues für mich... es passierte nicht jeden Morgen, aber immer mal wieder, besonders wenn sie direkt nach dem Essen durch die Wohnung tobte. An diesem Morgen wollte jedoch so gar nichts drin bleiben, wenn es überhaupt erstmal rein ging. Sämtliche Sorten wurden ignoriert, was doch mal angeknabbert wurde, kam postwenden wieder raus. Ich rief sofort beim Tierarzt an und er bestellte mich für den Nachmittag in die Praxis.
Bis dahin war Pebbles um nichts in der Welt zum Fressen zu bewegen.
Die Untersuchung beim Tierarzt ergab, dass ihre Zähne in einem miserablen Zustand waren, Zahnfleischwucherungen und Entzündungen inklusive. Na prima, armes Würmchen. Die Tierärzte (es ist die Praxis eines Ehepaars) legte mir nahe eine Zahnsarnierung und Vollnarkose anzustreben, dabei könnte man auch gleich Blut zum Testen abzuzapfen. Allerdings wollten sie erstmal schauen, ob die Geschichte mit dem Erbrechen nicht einen Infektiösen Hintergrund hat. Sie spritzten ihr Antibiotika und wir sollten uns am Freitag nochmal melden. In den darauffolgenden Tagen rührte Pebbles kein gewöhnliches Katzenfutter an. Durch die Futterumstellung hatte ich einiges an Sorten auf Vorrat - nix! Ich stellte mich also in die Küche und kochte Seelachsfilet (oh, wie mich das an die Zeit mit Felix erinnerte, als er aufgrund seiner Krankheit kaum noch Essen wollte). Da stürzte sie sich auch direkt drauf und - oh Wunder - es blieb drin!
Allerdings verweigerte sie bis zum Freitag jegliches Katzenfutter. Am Freitag wollte sie übrigens auch keinen Fisch mehr, so dass wir auf Hühnchen umsteigen mussten. *grmml* Natürlich hat sich Fee den "Trick" mit dem Futterverweigern dann auch abgucken wollen, aber neeee - so nicht! Es gab dann aber doch immer mal ein Hühnerhäppchen, um keine Eifersucht aufkommen zu lassen.
Tja, am Freitag berichtete ich, dass es im Grund nichts zu berichten gab und bat darum die Zahnsarnierung und Blutentnahme so schnell wie durchführen zu lassen. Ich bekam auch prompt für Montag einen Termin.
Die "OP" verlief ohne Probleme. Nachdem Pebbles wieder zu Hause war, machte sie sich auch gleich über ihr Futter her - immer noch Hühnchen uns nichts anderes. Aber gut, die Blutergebnisse waren ja auch noch nicht da. Da ich keine Energie hatte dreimal täglich für die Katze und dann auch noch für mich zu kochen, bestellte ich ein paar Dosen Hühnchen von Almo Nature. Zum Glück (und Schonung meiner Nerven) frisst sie die auch ohne Murren und, was viel wichtiger ist, ohne Rückfahrschein.
Heute habe ich die Ergebnisse des Bluttests bekommen. Alles in Ordnung. Gute Nachrichten... oder so. Selbstverständlich bin ich froh darüber, dass offenbar keine organischen Ursachen vorliegen, aber nun geht die Suche weiter. Irgendeinen Grund muss es ja haben. Die Tierärztin eröffnete mir noch die Option, einen weiteren Test auf Funktion der Bauchspeicheldrüse durchführen zu lassen, und ich willigte ein. Ich will nun wissen was da los ist!
Ich hoffe ja, dass es letztendlich "nur" eine Futtermittelallergie ist.Seit gestern abend schnupft Pebbles nun zu allem Überfluss auch. *seufz* Habe das heute morgen bei der Besprechung mit dem Tierarzt auch gleich erwähnt, aber er meinte solange keine Ausfluss aus der Nase austritt, soll ich das erstmal weiter beobachten. Dabei mache ich seit über einer Woche nichts anderes, als diese Katze zu beobachten.
Aber ok, das bekommen wir auch noch hin. Wir bekommen alles hin! Basta!
Nun denn, soviel zum Thema "kurz fassen". *hüstel*
Aber weils so schön war, gibt's zum Abschluss noch ein paar Fotos:

Pebbles

Fee


Nina
Und Felix

Viele Grüße!
Liv







