Der Senior-Hund und seine Ernährung

Wenn Ihr Hund älter und langsamer wird, werden Sie sich früher oder später um sein Gewicht, seine geänderten Fressgewohnheiten oder seine Verdauung Sorgen machen. Das Altern zeigt sich nicht nur in der äußeren Erscheinung, sondern es kommt auch zu Veränderungen in der Physiologie, des Verdauungstraktes, des Immunsystems, der Nieren und anderen Organen.

Ein Senior-Hund hat andere Bedürfnisse und benötigt eine andere Ernährung als ein Junghund. Hier wollen wir auf die einzelnen Punkte eingehen, die Ihrem langjährigen Freund und auch Ihnen das Leben erleichtern können.

Ab welchem Alter ist der Hund ein Senior?

Dies hängt vor allem von der Rasse und der Grösse des Hundes ab. Große, schwere Rassen haben normaler Weise eine Lebenserwartung von unter 10 Jahren. Mittlere Hunderassen etwa 10-14 Jahre und kleinere Hunde können 15-20 Jahre oder sogar älter werden. Man kann sagen, wenn ein Hund etwa die Hälfte seines zu erwartenden Alters erreicht hat, ist er ein Senior.

Ernährung von Hundesenioren

Das größte Gesundheitsproblem von älteren Hunden ist das Gewicht. So brauchen ältere Hunde aufgrund der verringerten Aktivität deutlich weniger Kalorien und mehr Ballaststoffe, um die Darmtätigkeit anzuregen. Kalorien - oder Joule - bezeichnet den Energiegehalt der Nahrung. So haben Fett und Kohlenhydrate einen sehr hohen, schnell verfügbaren Energieghalt. Proteine dagegen müssen erst vom Körper umgebaut werden, haben aber ungefähr den selben Energiegehalt wie Kohlenhydrate. Gut geeignete Ballaststoffe für Hunde sind in Gemüse oder auch Obst enthalten.

Die benötigte Energie im Alter nimmt je nach Rasse und Hund zwischen 18 und 25 % ab (1). Wenn die Energieaufnahme durch das Futter die Gleiche bleibt und der Hund durch die verringerte Bewegung und den verlangsamten Stoffwechsel (Metabolismus) weniger Energie verbraucht, wird das Tier übergewichtig. Viele Futtermittelhersteller bieten deshalb Futter mit niedrigerem Energiegehalt für ältere Hunde an.

Seniorfutter bei Pets Nature

Proteinbedarf bei älteren Hunden

Oft ratenTierärzte fälschlicher Weise dazu, älteren Hunden weniger Proteine (tierisches Eiweiß) zu füttern. Dies fogt aus dem landläufigen Missverständnis, dass Proteine den Nieren schaden würden. Neuere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass dies so nicht stimmt. Entscheident ist vor allem die Qualität der Proteine. Ältere Hunde benötigen hochwertige Proteine für ihren Stoffwechsel (1) und auch, um die vorhandene Muskelsubstanz zu erhalten so gut es geht.

Studien mit Beaglen haben gezeigt, dass alte Hunde 50% mehr Proteine benötigen um ihre Stickstoffbilanz und Proteinreserven zu erhalten (2). Selbst eine leichte Protein-Unterversorgung kann bei Hunden schwerwiegende Auswirkungen auf das Immunsystem haben (1+3). Hochwertige Proteine sind auch für die Synthese von Glutathion wichtig, da dies ein Schlüssel-Antioxidant zur Krankheitsprävention ist (3).

So sollten Hundesenioren bei einem niedrigerem Energiebedarf ein Futter erhalten, welches deutlich mehr Energie aus Proteinen statt aus Kohlehydraten liefert. Dies bedeutet bei Senior-Hunden, dass mindestens 25% der zugeführten Kalorien aus Proteinen bestehen sollte (1).

Tipp: Als Belohnung sollten Sie auf fettreiche Leckerli verzichten und lieber mal etwas Obst, Gemüse oder gekochte Hüherbrust geben.

Krankheiten

Bei älteren Hunden lassen natürlich auch die Organe nach. In diesem Fall sprechen Sie am besten mit dem Tierarzt Ihres Vertrauens. Die häufigsten Erkrankungen sind Diabetes oder Herz, Nieren oder Leber und bedürfen der tierärztlichen Behandlung. Achten Sie auf gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch! Oft haben ältere Tiere auch Probleme mit der Verdauung, hier hilft eine Nahrung die hoch an Ballaststoffen und hoch an gut verdaulichen, hochwertigen Proteinen ist. Reines Fleisch und Fett verbleibt relativ lange im Magen-Darm-Trakt, dort wird es von diversen Bakterien zersetzt wobei Ammoniak oder andere Umbauprodukte entstehen. Ballaststoffe bringen also nicht nur Volumen in die Nahrung, sondern liefern auch wertvolle Nahrung für die Darmflora und aktivieren die Darmtätigkeit.

20% aller älteren Hunde entwickeln Probleme im Bewegungsapparat (4). Eine der Hauptursachen hierfür ist Übergewicht. Dieses ist nicht nur wegen der Überbelastung sondern auch wegen entzündlicher Prozesse, Stoffwechselstörungen und oxidativem Stress ein Risiko (4).

Ergänzungsfutter

Viele ältere Hunde haben Gelenkprobleme oder Arthrose. Hierfür gibt es einige verschiedene Ergänzungsmittel auf dem Markt. Hochwertiges Futter für Hundesenioren beinhaltet in der Regel Glucosamin und Chondroitin in ausreichender Menge. Falls Sie Ihrem Tier zusätzliche Nahrungsergänzungsmittel füttern wollen, achten Sie darauf, dass diese auch für Hunde gedacht sind. Trotz aller Futterzusätze denken Sie bitte daran, dass ein gesundes Körpergewicht der beste Weg zu einem unbeschwerten Alter ist. Dies gilt nicht nur für Hunde.

Gewichtsverlust

Es ist normal, dass ältere Hunde weniger Appetit haben. Dafür gibt es viele mögliche Gründe, diese reichen von möglicher Übelkeit verursacht durch eine beginnende Nierenerkrankung oder schlechten Zähne bis hin zu einer Krebserkrankung. Wenn Ihr Hund nicht essen will, gehen Sie bitte auf jeden Fall zum Tierarzt, damit er gesundheitliche Ursachen ausschliessen kann! Es kann aber auch sein, dass er sein Futter einfach nicht mehr mag. Viele Senioren wissen selber sehr gut, wenn ihnen was nicht mehr bekommt, was sie früher gerne gegessen haben. Ein gesunder Hund freut sich meistens über eine frisch gekochte Hühnersuppe (natürlich ohne Salz).

Für weitere Fragen und Informationen stehen wir Ihnen gerne in unserem Forum zur Verfügung: Forum von Pets Nature


© Dr. Hannah Miriam Jaag - 2013 - www.hmjaag.de
aktualisiert im März 2017

© Fotos: Thomas Kring

Quellen:
1 Nutrition for Aging Cats and Dogs and the Importance of Body Condition. Laflamme, DP, Vet Clin Small Anim 2005; 713-742.
2 Determination of optimal dietrary protein requirements of young and old dogs. Wannemacher RW, McCoy JR,  J Nutr 1966; 88;66-74.
3 Glutathione metabolism and its implications for health. Wu et al., J Nutr 2004; 134 489-492.
4 Understanding the pathophysiology of osteoarthirtis. Rush et al., Vet Med 2002; 97, 108-112.