Futtermittelbezeichnungen in Deutschland

Alleinfutter, Einzelfutter oder Ergänzungsfutter? All diese Begriffe tauchen im Bereich der Hundeernährung immer wieder auf. Aber was bedeuten sie eigentlich und wo liegt der Unterschied? Wir haben diese Fachbegriffe für Sie unter die Lupe genommen.

Futtermittelbezeichnung, futtermittelverordnung, FuttermitteltypenAuf jedem Tierfutter müssen vom Hersteller bestimmte Pflichtangaben gemacht werden. Diese werden von der Verordnung (EG) Nr. 767/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 festgelegt, die alle Futtermittel für Haus- und Nutztiere umfasst. Der Hintergrund einer gesetzlichen Regelung hat vor allem den Schutz von Mensch und Tier im Sinn, da viele Nutztiere zur Lebensmittelkette gehören. Gleichzeitig wurden mit der Verordnung auch für den Verbraucher wichtige Fakten geschaffen, mit deren Hilfe er aufgrund der Informationen auf dem Futtermitteletikett ein Futter einschätzen und beurteilen kann. Allerdings ist die Verordnung in „Amtsdeutsch“ geschrieben und das Futtermitteletikett in „Fachchinesisch“. Das wiederum erschwert dem Verbraucher die schnelle Erkenntnis.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der Futtermittelklassierung.

Welche Futtermitteltypen gibt es?

Neben den Angaben der Zusammensetzung, der garantierten Analyse und der Zusatzstoffe steht auf jedem Futtermitteletikett, um welchen Futtermitteltyp es sich handelt. Doch bevor wir uns dem zuwenden können, müssen wir erstmal zwei Oberbegriffe klären:

Einzelfuttermittel: Es gibt einen Katalog aller verwendeten Einzelfuttermittel, der regelmäßig ergänzt wird, wenn ein Hersteller ein neues – noch nicht auf dem Markt verwendetes – Einzelfuttermittel verarbeitet. Im Umkehrschluss besteht jedes Futtermittel aus einem oder mehreren Einzelfuttermitteln. In Deutschland dürfen Einzelfuttermittel auch Futtermittel-Ausgangserzeugnis genannt werden, da sie ja die Ausgangsstoffe für das fertige Futter sind.
Der Begriff Einzelfuttermittel umschreibt also einen Rohstoff, der zur Deckung des Ernährungsbedarfes des Tieres dient. Dieser Rohstoff kann sowohl tatsächlich roh als auch schon verarbeitet sein. Wird für die Verarbeitung ein weiteres Einzelfuttermittel verwendet, dann gilt ersterer nur dann weiterhin als Einzelfuttermittel, wenn das zweite Einzelfuttermittel nur seiner Denaturierung oder Bindung dient. Im Klartext: Denaturierung von Einzelfuttermitteln meint die strukturelle Veränderung der Biomoleküle (zum Beispiel Proteine) durch zerkleinern, kochen oder anderem. Bindung ist am besten mit einem Beispiel zu erklären, bestimmte Futtermittelzusammensetzungen werden mit Reis oder anderem gebunden, dadurch wird Flüssigkeit wie der eigene Saft oder Kochbrühe sämiger. Allerdings darf der bindende Reisanteil nicht höher als 3 % sein. Ist er größer, darf das Futtermittel nicht mehr Einzelfuttermittel genannt werden.

Im Grunde ist jede zugelassene Zutat ein Einzelfuttermittel beziehungsweise ein Ausgangserzeugnis, aus dem ein Futter hergestellt wird. Beispiel: Hühnerfleisch, Rinderfleisch, Garnelen, Leber, aber auch Kartoffeln, Möhren oder Mais sind Ausgangserzeugnisse (Einzelfuttermittel) aus denen dann ein Futter hergestellt wird.

Mischfuttermittel: Mischfuttermittel bestehen aus mehreren, mindestens zwei, Einzelfuttermitteln. Lachs mit Möhren, Rindfleisch mit Huhn und Brunnenkresse sind Beispiele für Mischfuttermittel.

Alleinfutter, Einzelfutter oder Ergänzungsfutter?

Folgende Bezeichnungen werden in Deutschland für Futtermittel von Hunden und Katzen verwendet:

Einzelfuttermittel: Hier fängt die Verwirrung an, denn das Einzelfuttermittel ist nicht nur ein Oberbegriff – als solches kann es wie oben beschrieben auch Futtermittel-Ausgangserzeugnis genannt werden – sondern eben auch die Klassifizierung eines bestimmten Futtermitteltyps. Einzelfuttermittel sind Fertigfutter, die aus nur einer einzigen relevanten Zutat bestehen. Ausnahmen sind die zur Bindung oder Denaturierung notwendigen geringfügigen Mengen wie Reis, Brühe oder Geliermittel. Einzelfuttermitteln können allerdings Futtermittelzusatzstoffe beigefügt werden. Da jedoch eine ausschließliche Ernährung mit nur einer Proteinquelle – zum Beispiel ausschließlich Huhn oder ausschließlichThunfisch – und eine nicht vorhandene oder nur unzureichend deckende Zusatzstoffbeigabe eine zu einseitige Ernährung darstellt, sind Einzelfuttermittel in der Regel für eine alleinige Ernährung nicht ausreichend.

Ergänzungsfuttermittel: Ergänzungsfuttermittel sind Mischfuttermittel, die aus mindestens zwei Zutaten bestehen. Dabei spielt die unterschiedliche Menge der mindesten zwei Zutaten keine Rolle. Das zweite Kriterium für Ergänzungsfuttermittel ist die nicht ausreichende Deckung mit allen notwendigen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen, die das betreffende Tier zur Gesunderhaltung braucht. Ein Beispiel: Wenn ein Futter aus 55 % Thunfisch, 5 % Garnelen und 3 % Reis besteht, ist es ein Mischfuttermittel, da die Garnelen eine zweite Zutat sind. Die Garnelen dienen weder der Bindung, noch der Denaturierung. Da diesem Beispielfutter aber keinerlei ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe im ausreichenden Maß beigefügt wurden, ist es „nur“ eine ergänzende Nahrung im Gegensatz zum Alleinfuttermittel. Die Betonung liegt dabei auf dem „ausreichendem Maß“. Denn es gibt natürliche einige Ergänzungsfuttermittel, denen durchaus eine gewisse Menge an Zusatzstoffen beigefügt werden, nur reichen diese nicht zu einer alleinigen Ernährung mit diesem Futter aus.

Alleinfuttermittel: Alleinfuttermittel sind Mischfuttermittel, die aufgrund ihrer Zutatenliste und den ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen alle notwendigen Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten, die Hunde und Katzen für ihre tägliche Versorgung brauchen. Mit diesen Alleinfuttermitteln kann es nicht zu einer Unterversorgung kommen.

Tipp: Es ist trotzdem ratsam nicht nur ein einziges Alleinfuttermittel eines Herstellers und einer Sorte zu füttern. Zum einen sorgt eine abwechslungsreiche Ernährung für eine ausgewogene Vielfalt von allen Nährstoffen, zum anderen kann es Akzeptanzschwierigkeiten bei einer möglicherweise notwendigen Futterumstellung aufgrund von beispielsweise Erkrankungen verhindern helfen.

Die gebräuchliche Anwendung der Verordnung von Futtermittelherstellern

Das eben beschriebene ist die Theorie, doch wie sieht es in der Praxis aus? Die Amtssprache dieser EU-Verordnung ist nicht nur für uns Kunden schwer zu verstehen. Auch Futtermittelhersteller müssen sich in die Thematik und die regelmäßigen Anpassungen und Neuerungen einarbeiten und sie verstehen. Für ausländische Futtermittelproduzenten können dann noch die korrekten Übersetzungen ins Deutsche zur Herausforderung werden.

Auf den meisten Futtermitteln für Katzen und Hunde finden Sie die Begriffe

  • Einzelfuttermittel
  • Ergänzungsfuttermittel
  • Alleinfuttermittel


Die Definitionen haben sich inzwischen, zumindest im vereinfachten Sinne, beim Kunden eingeprägt und die Verkäufer in einem gut geführten Fachhandel wissen diese auch zu erklären.

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© Katja Tuszynski 2014

Quellen: Verordnung (EG) Nr. 767/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009