Was sind Kohlenhydrate und Ballaststoffe?

Grundbausteine der Nahrung II

Kohlenhydrate zählen mit den Proteinen und den Fetten zu den Hauptnährstoffen. Sie werden auch als Treibstoff bezeichnet, da sie neben den Fetten der Hauptenergielieferant in der menschlichen Nahrung sind. Außerdem werden sie in kleinen Mengen als Baustoff für den Körper verwendet. Der Kohlenhydratbestandteil der Nahrung eines Hundes, der in freier Wildbahn lebt und sich ausschließlich vom Beutefang ernährt, ist mit 1 – 4 % sehr gering. Doch werfen wir erstmal einen Blick auf die verschiedenen Kohlenhydrate.

Welche Kohlenhydrate gibt es?

Vereinfacht gesagt sind alle Kohlenhydrate Zucker. Doch Zucker ist nicht gleich Zucker:

  • Einfachzucker (Monosaccharide): zum Beispiel Traubenzucker oder Fruchtzucker
  • Zweifachzucker (Disaccharide): zum Beispiel Kristallzucker, Rohrzucker oder Milchzucker/Laktose
  • Mehrfachzucker (Oligosaccharide): zum Beispiel Raffinose und Melezitose (kommt im Honigtau vor)
  • Vielfachzucker (Polysaccharide): zum Beispiel Stärke, Cellulose, Chitin, Glykogen

Wenn zwei oder mehrere Einfachzucker sich zusammenschließen bilden sie die drei anderen Zuckerarten. Vom Vielfachzucker spricht man ab einer Verbindung von mindestens 10 Einfachzuckern. Die ersten drei Zuckerarten sind meist süßlich im Geschmack und gelten im engeren Sinne als Zucker im herkömmlichen Sprachgebrauch.

Die Kohlenhydrate werden zusätzlich nach ihrer Komplexität eingeteilt. Deswegen werden mit dem Begriff „komplexe Kohlenhydrate“ die Vielfachzucker beschreiben. Sie lassen den Blutzuckergehalt weniger ansteigen und werden von den Ernährungswissenschaftlern als gesundheitlich günstiger eingestuft.

Ballaststoffe

Zu den bereits genannten Vielfachzuckern (zum Beispiel Stärke, Cellulose, Chitin, Glykogen) gehören auch die Ballaststoffe. Sie sind größtenteils unverdaulich und kommen vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Cellulose ist ein Ballaststoff und Hauptbestandteil von pflanzlichen Zellwänden und der am häufigsten vorkommende Vielfachzucker.

Obwohl Ballaststoffe überwiegend unverdaulich sind, haben sie wichtige Funktionen im Verdauungsprozess. Sie können zwar vom Dünndarm nicht durch Enzyme zerlegt und aufgenommen werden, aber im Dickdarm werden viele von ihnen vergärt und so zum Beispiel in Fettsäuren umgewandelt und verwertbar gemacht. Die Ballaststoffe, mit denen das nicht geht (Rohfasern), werden unverdaut wieder ausgeschieden. Auf ihrem Weg durch das Verdauungssystem binden sie allerdings zum Beispiel Wasser und Stoffwechselgifte an sich und regen die Darmtätigkeit an. Deswegen sorgen große Mengen an Rohfasern auch für einen voluminöseren Kot.

Kohlenhydratverwertung bei Hunden


Jedes Säugetier benötigt Glukose, sie ist ein wichtiger, schneller Energielieferant. Folgende Organe sind zum Beispiel auf die Energie aus der Glukose angewiesen: Gehirn, Nieren und rote Blutkörperchen. Das Blut transportiert die Glukose im Körper zu den Zellen, die Konzentration von Glukose im Blut wird mit dem  Blutzuckerspiegel gemessen.

Hunde haben die Fähigkeit ihren Blutzuckerspiegel ausschließlich über tierische Nahrung zu bilden, sie benötigen keine Aufnahme von Einfach- oder Zweifachzuckern. Diesen Vorgang nennt man Glukoneogenese. Glukose wird aus zum Beispiel Aminosäuren neu synthetisiert (neu zusammengesetzt). Wenn ein Hund mehr Glucose aufnimmt als er gerade braucht, wird diese in Glykogen umgewandelt. Glykogen ist eine Art „Reservekohlenhydrat“, das in der Leber und im Muskel gespeichert wird. Es ist eine Energiereserve, die im Hungerzustand oder bei kurzen und schnellen Anstrengungen sofort abgerufen wird, wenn im Blut nicht ausreichend Glukose vorhanden ist. Besteht dieses Glykogen-Angebot in Form einer zu kohlehydrathaltigen Nahrung dauerhaft, werden diese Kohlenhydrate vom Körper in Fett umgewandelt und in den Fettdepots gespeichert.

Ein wichtiger Unterschied zwischen Mensch und Hund ist der bei Hunden  - wie bei allen reinen Fleischfressern – wesentlich kürzere Verdauungsweg. In diesem dementsprechend kürzeren Verdauungsprozess können Kohlenhydrate in ihrem Rohzustand nicht aufgeschlüsselt und verwertet werden. Außerdem fehlt Hunden ein bestimmtes Enzym im Speichel. Während beim Menschen Kohlenhydrate schon im Mund die Speichelsekretion anregen und so das Verdauen beginnt, fehlt Hunden das Enzym um Kohlenhydrate anzuverdauen. Deswegen sollten verfütterte Kohlenhydrate immer zerkleinert und aufbereitet werden.

Warum sind Kohlenhydrate im Hundefutter?

Menschen die ihren Hund barfen (BARF Biologisch Artgerechte RohFütterung) geben einen geringen Anteil – meist auch schon aufgespaltener – Kohlenhydrate zum Rohfleisch dazu. Er entspricht mengenmäßig in etwa dem Kohlenhydratanteil, den ein Hund bei reinem Beutefang zu sich nehmen würde.

Die Fertigfutterhersteller dagegen verwenden beim Nassfutter 0 – 30 % und beim Trockenfutter 30 – 60 % Kohlenhydrate. Das hat verschiedene Gründe:

  • Kohlenhydrate sind eine preiswertere Energiequelle als tierischen Fette und Proteine. Deswegen gilt auch die Faustregel: Je höher der Fleischanteil eines Hundefutters, desto hochwertiger ist es.
  • Stärke ist bei der Trockenfutterproduktion ein sehr beliebter „Kleber“. Es ist viel einfacher mithilfe von Stärke alle Bestandteile in eine haltbare Krokettenform zu bekommen.
  • Auch die Werbung spielt manchmal eine Rolle, da der Mensch das Hundefutter kauft und nicht der Hund selbst. Ein à la carte – Menü für Hunde klingt in menschlichen Ohren sehr verführerisch und suggeriert ihm, das Beste für seinen Hund zu kaufen.

Manch Gemüse oder Getreide oder einzelne Bestandteile dieser werden als natürlicher Vitamin- und Mineralstofflieferant verwendet. Die Alternative wären oftmals synthetische Vitamine.


Fazit

Nicht jedes Hundefutter, das einen Gemüse- oder Getreideanteil hat ist automatisch als „schlecht“ zu bewerten. Es hängt von der Funktion im Futter (natürlicher Vitaminlieferant oder preiswerte Proteinquelle anstelle von Fleisch) und vom Herstellungsprozess, sowie natürlich von der Menge ab, ob diese Kohlenhydrate sinnvoll für den Hund und verwertbar oder nur sinnvoll für den Hersteller sind.

Wenn die Kohlenhydrate aufgeschlossen, sozusagen anverdaut sind, kann der Hund sie besser verwerten - ähnliches passiert mit den Kohlenhydraten welche die Beute in ihrem Verdauungstrakt hat. Deswegen ist ein genauer Blick auf die Futterdeklaration, sowie ein „Lesen“ können wichtig. Sie finden viele weitere Artikel zu diesem Thema, die Ihnen die relevanten Informationen dazu bieten, in unserem Hunderatgeber Ernährung von Hunden.

In unserem Forum stehen wir Ihnen natürlich auch gerne für weitere Fragen zur Verfügung: Forum von Petsnature


© Katja Tuszynski 2011 – www.marcating.de
© Foto: www.freeimages.com
______________________________

Quellen:
Wikipedia I
Wikipedia II 
Wikipedia III
Degupedia
Hundohneleine
Barf für Hunde