Großer Hund oder kleiner Hund?

Gedanken vor der Anschaffung

Sie wollen einen Hund in Ihr Leben, in Ihre Familie einziehen lassen? Aber Sie sind sich nicht sicher ob eher ein großer Artenvertreter oder ein kleiner gewachseneres Exemplar Hund zu Ihnen passt? Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Persönliche Vorlieben und Erfahrungen spielen hier eine große Rolle. Auf jeden Fall will ich vor der häufig vertretenen Meinung “Ein kleiner Hund ist doch kein Hund!” warnen. Natürlich ist auch er durch und durch ein Hund! Kleinere Hunde wissen nicht, daß sie an Wuchs (in unseren menschlichen Augen) ein Defizit aufweisen – das kann sehr spannend werden, je nachdem, wieviel “Ego” so ein Hundetier mit auf die Welt bringt.

Der Wolf im Hund

Grundsätzlich gilt folgendes zu beachten: Ein Hund ist ein Hund und stammt der Genetik nach vom Wolf ab. Das gilt gleichermaßen für den niedlichen - leider so häufig in der Schickeria im schicken Täschchen (völlig zu unrecht und missverstanden) spazieren getragenen - klitzekleinen Chihuahua, wie für den riesengroßen und massiven Bernhardiner. Beide tragen ein wölfisches Erbe in sich. Die Größe und der Phenotyp, also das äußere Erscheinungsbild eines Hundes, lassen es uns immer wieder gedanklich in den Hintergrund drängen und vergessen, womit wir es am anderen Ende der Leine zu tun haben. Hunde haben “wölfische Bedürfnisse”, je nach Rasse in unterschiedlich ausgeprägter Form, aber immer vorhanden.

So gibt es ebenso kleine, extrem sportliche und ausdauernde Hunde mit dem Bedürfnis nach “Action” wie dies bei den größeren Hunden auch der Fall ist. Und umgekehrt gibt es natürlich auch größere Hunde, die lieber alles etwas ruhiger und nicht zu sportlich angehen. Häufig sind hier auch durch klare körperliche Extreme Grenzen gesetzt (zum Beispiel kurze Nasen, schwere Knochen, lange Rücken).

Wenn Sie sich für einen Rassehund entscheiden wollen und sich bezüglich der zu erwartenden mitgebrachten Fähigkeiten nicht sicher sind, kontaktieren Sie die entsprechenden Züchter, lesen Sie Fachliteratur zu Ihrer Rasse und schauen Sie auch hier:  Hunderassen

Es gibt einige wichtige Punkte, die  bei der Auswahl der Größe eines zukünftigen Familienmitgliedes eine Rolle spielen können. Und es kursieren auch einige fragwürdige Aspekte in der Hundeszene zum Thema: “Pro & Contra” - großer Hund oder kleiner Hund?

Müssen Sie mit Ihrem Hund tagtäglich Treppen steigen?

Es gibt eine Faustregel, wonach bei einem jungen Hund das Hauptwachstum bis zu einem Alter von einem Jahr stattfindet. Gerade in dieser Zeit muss besonders darauf geachtet werden, das es zu keinerlei (chronischer) Überbeanspruchung im Bewegungsapparat kommt, um so die Ausbildung von Deformierungen an Gelenken zu vermeiden. Solche Deformierungen schränken ein gesundes aktives Hundeleben durch frühzeitige Bildung von zum Beispiel Hüftdysplasien, Ellenbogendysplasien oder Arthrosen ziemlich ein.

Bedenken Sie, dass Ihr Hund, der im Welpenalter zu Ihnen kommt, “wächst und gedeiht” und vielleicht als niedlicher acht Wochen alter Neufundländer noch leicht die 10 Stufen zu Ihrem Heim hinaufgetragen werden kann. Aber dann?  Diese Problematik gilt es auch in weiser Voraussicht im Kopf zu behalten, denn Hunde werden, wie wir Menschen auch, nicht jünger und beweglicher. Hunde können krank werden oder durch ihre körperliche Spezifizierung generell für regelmäßiges Treppen steigen einfach nicht gemacht sein, ohne mögliche körperliche Schäden davon zu tragen.

Kommen Sie also an Stufen in Ihrem Leben nicht vorbei und verfügen auch über keinerlei Muskelberge an Ihren Oberarmen und -schenkeln, könnte dies ein “Contra” für einen (wirklich) großen Hund bedeuten.

Setzen Sie sich einen persönlichen, finanziellen Rahmen, den Sie für Ihr neues Familienmitglied monatlich veranschlagen wollen?

Vorab dazu bitte unseren Artikel Kostenfrage Hund lesen. Einzig und allein über die Menge des Futters lässt sich kalkulieren, dass ein kleinerer, gesunder Hund monatlich weniger in seinem Futternapf benötigt. Auch möglicherweise erforderliche Medikamente können, müssen aber nicht, im Falle eines Falles finanziell weniger zu Buche schlagen, da ein kleiner Hund geringere Dosierungen benötigt. Wobei sich auch diese Aussage aufgrund der Art der möglichen Erkrankungen nicht pauschalisieren lässt, auch kleine Hunde können “richtig” krank werden und als Privatpatienten eine Menge Geld kosten. Interessant hierzu in jedem Falle auch unser Artikel  Krankenversicherung für Hunde – Tierkrankenversicherung.

Sie nutzen öffentliche Verkehrsmittel, sind auf diese angewiesen?

Bei der Deutschen Bahn gelten folgende Regeln. Für die regionalen Bedingungen erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem öffentlichen Nahverkehrsbüro.

Es gibt kleine Kinder im Haushalt?

Sie haben schon einmal irgendwo gelesen oder gehört, das ein großer Hund besser zu Kindern passt, weil sie sind nicht so empfindlich sein sollen, wenn sie einmal etwas kindisch-grob angefasst werden? Dem muss ich vehement widersprechen, das ist ein Ammenmärchen, denn (kleine) noch unverständige Kinder sollten niemals mit einem Vierbeiner alleine gelassen werden, egal ob der Hund klein oder groß ist. Wenn ein Kind einen Hund so grob anfasst, das dieser Schmerz verspürt oder gar einen körperlichen Schaden davon tragen kann, so schmerzt dies den kleinen wie den großen Hund gleichermaßen. In der Folge kann es zu einer völlig normalen Reaktion des Hundes – gleich unseren Reflexen – kommen, beispielsweise ein Schnappen nach dem Schmerz verursachenden Kind. Wie eingangs schon geschrieben und festgestellt: Ein Hund ist ein Hund. Es gibt einige Hunderassen, die generell familiengeeigneter sind als andere Rassen. Wenn Sie Kinder haben oder in absehbarer Zeit Nachwuchs planen, sollten diese Überlegungen auf jeden Fall eine Rolle bei der Auswahl des vierbeinigen Familienmitgliedes spielen.

Sie haben nur geringen Wohnraum zur Verfügung stehen und möchten dies auch nicht ändern?

Großer Hund oder kleiner Hund? Das kommt (auch) ganz auf den aktiven Rahmen an, den Sie Ihrem kaltnasigen Mitbewohner bieten können und wollen und den dieser benötigt. Ich persönlich hatte große und kleine aktive Hunde mit denen ich mir viel, aber auch schon weniger Wohnraum, geteilt habe und kann aus Erfahrung nur sagen: Es ist relativ egal, wie groß Ihre Wohnung ist wenn Sie mit Ihrem Hund “draußen” ein aktives, abwechslungsreiches Leben führen. Die Wohnung kann sehr wohl zum gerne angenommenen Ruhe-Nest für unsere Vierbeiner werden. Doch diese täglichen Draußen-Aktivitäten sind Ihre Pflicht bei jeder aktiven Hunderasse.

Zum Schluss noch etwas zum Thema Schmutz in der Wohnung. Kleine Hunde lassen sich definitiv mit weniger Aufwand “trocknen und auf Stubenreinheit” bürsten. Und wenn es ganz dicke kommt, auch einfacher mal eben mit klarem fließendem Wasser reinigen und trocknen. 

Wie Sie sich auch entscheiden, bitte beleuchten Sie eingehend Ihre Situation bevor  es zur “Familienzusammenführung” mit Hund kommt. In jedem Falle: Viel ungetrübte Freude miteinander an dieser Stelle und meine besten Wünsche für Ihren Hund und für Sie!

Für weitere Fragen und Informationen stehen wir Ihnen gerne in unserem Pet-Club zur Verfügung: Forum von Pets Nature

© Diana Düpmann 2014

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Bild 2 – Diana Düpmann