Mein Hund zieht an der Leine

Viele Hundefreunde kennen das Problem: Der Hund geht, wohin er will. An der Leine zu gehen, ist für jeden Hund ein Lernprozess und erfordert konsequentes Üben und zum Teil starke Nerven. Aus Gründen der Sicherheit sollten deshalb auch keine Kinder mit jungen oder großen Hunden alleine unterwegs sein.

Ich will mit diesem Artikel auf eine hundegerechte Erziehung, einige Lernhilfen und im Handel erhältliche Hilfsmittel eingehen.

Erziehung

Die Erziehung Ihres Hundes ist am einfachsten, wenn Sie sich für den Weg des Clicker Training entschieden haben. Hiermit haben Sie eine starke positive Bestärkung, um Ihrem Hund beizubringen, was Sie von ihm wollen. Mit Belohnung geht es sowieso am besten. Achten Sie darauf, immer ein Leckerli in der Tasche zu haben, um gutes Verhalten damit bestätigen zu können. Vergessen Sie nicht, gutes Verhalten zu bestärken und ignorieren Sie schlechtes Verhalten, wie zum Beispiel Leinenpöbelei.

Lassen Sie sich von Ihrem Hund nicht durch die Gegend zerren. Hierfür ist ein Richtungswechsel oft sinnvoll. Will der Hund unbedingt in eine Richtung, gehen Sie einfach in die andere. Falls ein Richtungswechsel nicht geht, können Sie auch nur stehen bleiben. Irgendwann merkt der sturste Hund, dass er mit dem Gezerre bei Ihnen nicht weiterkommt. Hierfür sind starke Nerven, Konsequenz und Geduld unabdingbar.

Bevor Sie zu Hilfsmitteln greifen, überlegen Sie sich, warum Ihr Hund zieht. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

Halsband oder Geschirr: Manche Hunde mögen das Halsband nicht und wollen einfach nur weg davon. Bedenken Sie auch, dass ein ständiges Ziehen am Halsband auf Dauer ihre Rückenwirbel schädigen kann. Probieren Sie mal eins der vielen Geschirre auf dem Markt aus. Achten Sie darauf, dass es sitzt und nicht behindert oder scheuert. Es gibt im Internet auch sehr hübsche Maßanfertigungen, zum Beispiel bei Blaire.de oder eine große Auswahl bei Hundeleinen.de. Mit einem guten Geschirr können Sie auch größere Hunde problemlos halten und haben sehr viel mehr Kontrolle als bei einem Halsband, außerdem ist es wesentlich angenehmer für Ihren Hund.

Der Hund will weg: Manche Hunde sind sehr ängstlich und ziehen einfach nur, weil sie sich aus einer Situation entfernen wollen. Geben Sie Ihrem Hund die Sicherheit, die er braucht, indem Sie sich souverän vor die Gefahr stellen. Falls Ihr Hund Angst vor Kindern, Hunden oder Menschen hat, lassen Sie diese nicht an den Hund heran. Stellen Sie sich am besten immer dazwischen.

Der Hund macht, was er will: Dies ist wohl der häufigste Fall. Ihr Hund hat nicht gelernt, mit Ihnen spazieren zu gehen, sondern geht alleine und Sie folgen. Mache Sie sich für Ihren Hund interessant. Rennen Sie auch mal ein Stück mit ihm und beherzigen Sie den oben erwähnten Richtungswechsel. Gehen Sie mit dem Hund spazieren und nicht umgekehrt.

Wenn alles nicht hilft und Sie zu Hilfsmitteln greifen wollen, überlegen Sie sich gut, was Sie anschaffen wollen. Es gibt jede Menge beworbene Wundermittel, die oft einfach nur über das Zufügen von Schmerzen funktionieren, das ist in keinem Fall artgerecht und akzeptabel! Aus Gründen der Vollständigkeit werde ich aber weiter unten darauf eingehen.

Es gibt aber einen genial einfachen Trick von Victoria Stilwell, der schon lange in den USA angewendet wird und langsam auch in Deutschland Anhänger findet. Der Trick basiert auf derselben Grundlage wie der Richtungswechsel. Der Hund will irgendwo hin und wird dabei unterbrochen. Dafür hat Victoria Stilwell einfach vorne an der Brust am Geschirr eine zusätzliche Öse angebracht. Wenn der Hund nun nach vorne weg läuft, wird er sanft umgedreht. Er geht also unfreiwillig in die andere Richtung auf Sie zu. In guten Shops oder bei maßangefertigten Geschirren ist diese Zusatzöse erhältlich.

Machen Sie am besten ein Ende der Leine normal hinten fest und das andere Ende vorne an der Brust. So haben Sie die beste Kontrolle über Ihren Hund. Wenn er dann zieht, halten Sie ihn an dem Teil der Leine, das nach vorne weg geht, fest. Je mehr Ihr Hund zieht, desto mehr dreht er sich zu Ihnen um. Sie werden feststellen, dass Ihr Hund sofort aufhört zu ziehen, weil er das natürlich doof findet.

Hier noch eine Liste der Erziehungshilfen aus dem Handel zu Übersicht

Erziehungsgeschirr und Anti-Zug-Geschirr: Diese funktionieren oft über dünne Schnüre, die dem Hund bei Zug unter den Achseln Schmerzen zufügen oder auf die Lymphknoten drücken. Diese Erziehung zielt auf das Verursachen von Schmerzen bei Nicht-Gehorsam ab und ist weder nachhaltig noch auf Dauer Erfolg versprechend. So sollte man mit seinem Hund nicht umgehen!

Halti: Als Halti bezeichnet man ein Halfter für den Hund. Die Idee dahinter ist, dass der Hund nicht ziehen kann, da es ihm sonst den Kopf weg dreht. Dies sind auch die Nachteile. Falls Ihr Hund viel Temperament hat oder das Halti vergisst, können Sie ihm im besten Fall eine Zerrung im Hals zufügen und im schlimmsten Fall das Genick brechen.

Stachelwürger: Sind in der Schweiz und Österreich aus Tierschutzgründen verboten. Die Benutzung beweist die Unfähigkeit des Hundehalters und wird nur noch von altmodischen Hundevereinen betrieben. Vor Hunden, die damit malträtiert werden oder wurden, ist absolute Vorsicht geboten, da diese oft durch die Behandlung  Aggressionsstörungen haben.

Würgehalsband und Kettenwürger: Ähnlich dem Stachelwürger. Finger weg, Sie können Ihren Hund damit ernsthaft verletzen und ihm starke Schmerzen zufügen.

Probieren Sie doch einfach mal die oben erwähnten positiven Methoden aus. Sie werden sehen, richtig angewandt führen sie mit der Zeit zu sehr guten Ergebnissen. Falls Sie noch Fragen zum Thema haben oder Hilfe bei der Umsetzung brauchen, ist der Weg in eine Hundeschule in der Nachbarschaft immer empfehlenswert. Und wir stehen Ihnen gerne im Forum von Pets Nature zur Verfügung: Pet Club

© Dr. Hannah Miriam Jaag – 2013 – www.hmjaag.de

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Bild 1: Wikipedia
Bild 2: Thomas Kring