Silvester mit Hunden

Jedes Jahr wieder stellt der Jahreswechsel manchen Hundehalter vor eine große Herausforderung. Einige Hunde erleben das Silvesterfeuerwerk ganz entspannt, andere hingegen überstehen den Jahreswechsel nur mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Aber auch die "Flucht" in abgeschiedene Gebiete ist eine Möglichkeit für den entspannten Jahreswechsel - wir haben Tipps und Informationen für Sie zusammen gestellt.

silvesterDer alljährliche Jahreswechsel mit der üblichen Knallerei vor, an und nach Silvester bedeutet für viele Hunde und Hundehalter jedes Jahr auf‘s Neue vor allem eines: STRESS

Die Angst vor der Knallerei kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein: Vom leichten Zittern und die Nähe des Hundehalter suchen, sich ablenken und aufmuntern lassen, bis hin zu völlig panischer Kopflosigkeit und in keiner Weise mehr auf Ansprache reagierend.

Es gibt Dinge, die man im Umgang mit dem Hund und Silvester beachten sollte. Und es gibt einige Möglichkeiten, die unter Umständen die Silvesterzeit für Ihren Vierbeiner und damit auch für Sie erleichtern können. Ein Patentrezept gibt es nicht. Denn jeder Hund ist in seinem Wesen, seinem Empfinden und dem Umgang mit Stress anders und einzigartig.
 
Beobachten Sie Ihren Hund. Leiten Sie aus Ihren Beobachtungen ab, was an Hilfe und Unterstützung für Ihren Hund sinnvoll sein kann. Wenn Sie unsicher sind, was für Ihren Hund das Richtige ist, holen sie sich bitte rechtzeitig - mindestens Anfang Dezember - Hilfe von einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker.

Ein paar Ideen und Möglichkeiten, um entspannt(er) über die Silvestertage zu kommen, haben wir hier zusammengetragen.

Wie verhalte ich mich wenn mein Hund unsicher oder ängstlich ist?

Wenn das Ihr erstes Silvester mit Ihrem Hund ist, sollten Sie ihn beim Gassi gehen aus Sicherheitsgründen an der Leine behalten. Bei sehr ängstlichen Hunden ist ein ausbruchssicheres Geschirr und/ oder eine doppelte Sicherung an Geschirr und Halsband sinnvoll. Es gibt Hunde, die auf unverhofften lauten Knall völlig kopflos reagieren und einfach losrennen.

Das hat nichts mit Charakterschwäche oder Feigheit zu tun. Angst bedeutet für Hunde in freier Wildbahn Überleben. Dinge die nicht einzuordnen sind, werden gemieden, da sie Gefahr bedeuten könnten. Das ist ein Urinstinkt des Hundes. Es gibt einige Rassen, die bedingt durch ihre genetische Disposition extrem gestresst auf Lärm reagieren. Dazu gehören häufig Hütehunderassen wie Border Collies oder Australian Shepherds.

Erleben Sie mit Ihrem Hund den ersten gemeinsamen mehr oder weniger lauten Knall und bemerken, dass Ihr Hund verunsichert ist, reagieren Sie ruhig und souverän, so normal wie möglich. Seien Sie für Ihren Hund da, ohne ihn in seiner Angst zu bestätigen. Streicheln oder klopfen Sie ihn auf seine Flanken, wenn er Ihre Nähe sucht.

Reden Sie mit ihm, wie sie das jeden Tag machen. Verändern Sie nicht Ihre Stimme und gehen verbal nicht übermäßig auf Ihren Freund ein. Der Hund versteht den Sinn Ihrer Worte nicht. Er orientiert sich allein am Tonfall und der Art, wie Sie mit ihm reden. Er registriert hierbei sehr genau alle Abweichungen. Verhalten Sie sich in dieser speziellen Situation anders als sonst, machen Sie dadurch Ihrem Hund klar, dass ein Knall eben doch Gefahr bedeutet und etwas außergewöhnliches und beängstigendes ist.

Immer wieder war und ist zu lesen und zu hören, man solle das ängstliche Verhalten des Hundes komplett übergehen und einfach ignorieren. Dies ist nicht mehr zeitgemäß! Natürlich dürfen Sie Ihren Hund beruhigen. Hunde sind soziale Wesen.

Sie sind für Ihren Hund das Rudel, seine Familie, seine Rückversicherung auf Überleben. Wenden Sie sich in einer für ihn unerklärlich bedrohlichen und beängstigenden Situation von ihm ab, kommt das einem Verrat gleich. Ihre Nähe und Zuwendung tun Ihrem Hund in stressigen Situationen gut.

Auf dem Spaziergang

Nicht immer kann man einem ängstlichen Hund Gassigänge in einer absolut knallfreien, ruhigen Umgebung bieten. Es kann sehr sinnvoll sein, dem Hund in der lauten Zeit des Jahres statt eines Halsbandes zusätzlich noch ein Geschirr anzulegen. Damit verhindern Sie, dass Sie plötzlich ohne Hund an der Leine dastehen, weil er aus Angst aus dem Halsband geschlüpft ist.

Bedenken Sie bitte, dass auch ein Hund, der bislang keine Angst vor den Explosionsgeräuschen hatte, sich plötzlich erschrecken kann, wenn unweit von ihm ein Böller explodiert. Außerdem kann sich das Verhalten Ihres Hundes mit zunehmenden Alter verändern.

Wie können Sie Ihrem ängstlichen Hund helfen?

Hilfe durch Ablenkung: Versuchen Sie doch mal Ihren Hund Draußen und im Haus mit Denksport und damit verbundene positive Bestätigung abzulenken. Das kann das Abrufen von bereits erlernten Kunststückchen sein - dazu zählen auch „Sitz“ und „Platz“. Eine weitere Möglichkeit können Denkspiele sein, diese finden Sie in allen gut sortierten Fachhandlungen und Onlineshops. Damit Ihr Hund mit diesen Spielen aber schon vertraut ist, sollten sie das neue Spiel einige Zeit vor Silvester kaufen und schon einmal gemeinsam ausprobieren. Ihn an den lärmenden Silvestertagen zum ersten Mal für Neues begeistern zu wollen, ist wenig sinnvoll bis unmöglich.

Auch ein Spieli, das sich mit Leckerchen befüllen lässt und diese erst nach und nach verliert, kann helfen. Sie können Ihrem Hund auch Kausnacks anbieten – kauen beruhigt bekanntlich die Nerven. Geeignete Kausnacks finden Sie hier.

Direkt an Silvester können Sie neben dem eben beschriebenen zur Ablenkung und Stressminderung den Fernseher oder die Musik einschalten um damit die Geräusche von draußen etwas zu übertönen. Am besten nutzen Sie hierzu Musik oder Fernsehsendungen, die Sie regelmäßig hören und sehen. Außerdem lassen Sie bitte die Jalousien runter, dadurch werden die ungewohnten Lichteffekte ausgesperrt.

Eine weitere Methode aktive Hunde während der Hochphase des Feuerwerks abzulenken, sind wilde Indoorspiele. Lassen Sie Ihren Hund alle Freiheiten, tanzen Sie mit ihm über Tische und Bänke und powern ihn dabei so richtig aus. Das geht am besten mit seinem Lieblingsspielzeug. Dessen Attraktivität können Sie steigern, wenn Sie es ihm schon ein paar Tage vorher nicht mehr geben. Das ist mit kleinen Hunden natürlich einfacher, aber auch mit großen Hunden können Sie mit Such- und Raufspielen so einiges umsetzen.

Hilfe durch Homöopathie, Bachblüten und Medikamente

Viele Tierärzte und Tierhomöopathen haben inzwischen sehr gute Erfahrungen mit Nahrungsergänzungsmitteln, Bachblüten und homöopathischen Mitteln gemacht. Da diese Mittel meist schon einige Tage vorher gegeben werden müssen um eine volle Wirksamkeit zu entfalten, sprechen Sie bitte rechtzeitig mit Ihrer behandelnden Praxis.

Beruhigende Pheromone können bei manchen Hunden auch eine sehr gute Alternative sein, diese können Sie in der Regel von Ihrem Tierarzt beziehen.

Bei panischen Hunden kann der Tierarzt auch mit einem gezielten Beruhigungsmittel helfen. Lediglich muskelentspannenden Mittel sollten nicht verwendet werden, da diese den Muskeltonus des Hundes herabfahren, er aber nicht beruhigt wird. Das heißt, er nimmt alle lauten Geräusche weiter wahr, hat große Angst, aber kann nicht mehr flüchten! Herr Rückert, Tierarzt und Blogger, hat einen sehr anschaulichen und aktuellen Artikel zum Thema Silvester und Hunde verfasst:

Tierarzt Ralph Rückert zum Thema Silvester

Wenn man völlig auf die Gabe von Nahrungsergänzung verzichten möchte, ist auch die Verwendung des Thundershirts einen Versuch wert. Das Thundershirt ist ein sehr eng anliegender Hundemantel, welcher dem Hund hilft seinen Körper besser wahr zu nehmen. Dies kann auch dazu führen, dass vormals beängstigende Situationen vom Hund nicht mehr als so schlimm angesehen werden. Ähnlich wirkt auch die Körperbandage nach Tellington, allerdings ist das Thundershirt einfacher anzulegen.

Bei allen hier beschriebenen Mitteln sollte das Wesen des Hundes in jedem Falle in die Wahl des Mittels mit einfließen. Seien Sie bitte kritisch und lassen sich alles genau erklären.

Ab in den Urlaub! Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Anbietern, die gezielt für die Silvestertage Urlaub mit dem Hund in ruhiger Umgebung anbieten. Das kann ein Insel- oder Strandurlaub sein. Aber auch in den Bergen kann man stressfreie Silvestertage mit seinem Hund verbringen.

Urlaub mit Hund an Silvester

Bei alten Hunden kann es passieren, dass sie mit zunehmenden Alter immer sensibler auf laute Geräusche reagieren, auch wenn Sie früher keine Angst an Silvester hatten. Ursache hierfür ist die abnehmende und sich verändernde Sinnesleistung des Tieres.

Als akute Notlösung hat sich folgendes bewährt: machen Sie eine Art „Kurzreise“, die dem Hund den Stress des mitternächtlichen Feuerwerks erspart. Setzen Sie sich mit Ihrem Hund ins Auto und fahren Sie zur Autobahn, drehen Sie dort einige Runden, bis wieder Ruhe einkehrt. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass Ihr Hund gerne Auto fährt.

Wir hoffen, Sie haben hier ein paar Anregungen und Ideen bekommen, die Ihnen und Ihrem Vierbeiner über die Silvesterzeit helfen.

Gerne können Sie sich auch mit uns im Pets Nature Forum austauschen.

© Diana Düpmann 2014
Aktualisiert 2016

© Foto Diana Düpmann