Epilepsie bei Hunden

Symptome und Behandlung

Epilepsie ist eine chronische Gehirnerkrankung bei der plötzliche, unkontrollierte und wiederkehrenden Krampfanfälle, sogenannte epileptische Anfälle, auftreten. Die Anfälle können  zum Verlust des Bewusstseins führen und sind die Folge von Entladungen im Gehirn. Epilepsie ist bei Hunden nur der Überbegriff für mehrere verschiedene klinische Erkrankungen und ihre Symptome, und deswegen sind die Ursachen meist vielfältig und leider oft unbekannt. Bei manchen Rassen kann die Epilepsie genetisch bedingt sein, bis heute sind 9 Gene bekannt, die Epilepsie auslösen können. Es gibt umfangreiche Studien an Mäusen und Menschen über Epilepsie. Leider sind diese Ergebnisse für den Hund total unbrauchbar, da die neuronale Signalübertragung beim Hund anders als beim Mensch oder gar der Maus ist (1).

Eine Studie der Universität von Kalifornien über 15 Jahre hat die Häufigkeit von Epilepsie bei Hunden mit 0,91 % bei 90.000 Hunden bestimmt (2). Wobei bestimmte Rassen um einiges häufiger betroffen sind (1):

  • Belgischer Schäferhund (9,5 – 33 %)
  • Labrador Retriever (11%)
  • Finnischer Spitz
  • Shetland Sheepdog oder Sheltie
  • Boxer
  • Lagotto Romagnolo (italienisch für Wasserhund der Romagna)
  • Mini-Rauhaardackel, Dackel
  • Englische Setter
  • Border Collies
  • Australien Shepherd
  • Americanische Bulldogen
  • Staffordshire Terrier
  • Tibet Terrier

Bei diesen Rassen ist zum Teil ein gentischer Marker bekannt (1).

Symptome

Epileptischen Anfällen geht manchmal eine kurze Aura voraus. Wenn dies der Fall ist, kann der Hund ängstlich oder benommen erscheinen. Es kann sein, dass er sich versteckt oder auch, dass er aufgeregt Aufmerksamkeit sucht. Wenn der Anfall beginnt, wird der Hund auf die Seite fallen und steif werden, seine Kiefer verkrampfen sich, er wird reichlich speicheln, urinieren, Stuhlgang verlieren und/ oder mit allen vier Gliedmaßen rudern. Dieser Anfall dauert in der Regel zwischen 30 und 90 Sekunden.

Man unterscheidet zwischen angeborener und erworbener Epilepsie. Erstere tritt häufig schon bei jungen Tieren auf, wohingegen die erworbene Epilepsie in jedem Alter auftreten kann. Hierfür gibt es verschiedenste Ursachen,  beispielsweise Vergiftungen, Unfälle und Tumore; aber auch ein Herzleiden kann (Ohnmachts-) Anfälle auslösen, welche von einem epileptischen Anfall auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden sind. Ein Tier, welches Anfälle erleidet, sollte daher auf jeden Fall von einem Tierarzt zur genaueren Diagnose untersucht werden!

Generell gilt, je jünger der Hund ist, desto stärker kann die Epilepsie sich entwickeln. Deshalb sollten Sie Ihren Hund möglichst früh einem Tierarzt vorstellen, wenn Sie den Verdacht einer epileptischen Erkrankung haben. Wenn die Epilepsie unbehandelt bleibt, können die Anfälle stärker und häufiger werden. Es gibt jedoch sehr gute Medikamente, die in den meisten Fällen helfen.

Behandlung

Eine Heilung der Epilepsie ist nicht möglich, aber sie kann durch Medikamente gut eingestellt werden. Aus diesem Grund sollte man den Anweisungen des Tierarztes genau folgen und die Dosierung nicht eigenmächtig ändern oder gar damit aufhören. Ein gut eingestellter Hund hat nach einer Eingewöhnungszeit keine Nebenwirkungen mehr und kann ein normales Alter erreichen.

Es gibt drei Wirkstoffgruppen die bei Epilepsie angewendet werden: Phenobarbital (Luminal®, Phenoleptil®), Primidon (Liskantin®, Mylepsinum®, Primidon Holsten®, Resimatil®) und Kaliumbromid (Dibro-Be mono®). Laut Frau Prof. Dr. Dorothea Schwartz-Porsche ist die Gabe von Primidon  beim Hund selten angezeigt, es sei dem Phenobarbital nicht überlegen. Letztlich wäre Primidon nur eine teure Form der Phenobarbitaltherapie.

Nebenwirkungen

Am Anfang der Medikamentengabe wird es eine Reihe von Nebenwirkungen geben, lassen Sie sich davon nicht verunsichern. Diese werden innerhalb von 2-8 Wochen wieder vollkommen verschwinden. Die Nebenwirkungen können alle oder auch nur teilweise auftreten:

  • Müdigkeit
  • Lethargie
  • Exzessives Urinieren
  • Durst
  • Gefrässigkeit
  • erhöhter Appetit
  • Nachhandschwäche, der Hund knickt hinten ein
  • Hyperaktivität

Vor allem der erhöhte Appetit kann sich beim Hund am längsten halten und es sollte darauf geachtet werden, dass der Hund deshalb nicht zu sehr zunimmt. Sobald im Blut vom Hund ein sogenanntes Fließgleichgewicht erreicht ist, werden die Symptome nachlassen. Sowohl die der Nebenwirkungen als auch die der Epilepsie.

Mehr gut aufgearbeitete Informationen von Prof. Dr. Dorothea Schwartz-Porsche finden Sie auf folgender Internetseite:

Epilepsie beim Hund

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne in unserem Pet Club zur Verfügung: Forum von Pets Nature
 

© Dr. Hannah Miriam Jaag – 2013 – www.hmjaag.de
© Foto: www.sxc.hu
aktualisiert von Tanja Eschkotte im April 2016


Quellen:
(1) Inherited Epilepsy in Dogs. Ekenstedt, Kari J; Oberbauer, Anita M. Companion Animal Medicine 28.2 (2013).
(2) Prevalence of inherited disorders among mixed-breed and purebred dogs. T.P. Bellumori, T.R. Famula, D.L. Bannasch, J.M. Belanger, A.M. Oberbauer,  27,254 cases (1995-2010), J Am Vet Med Assoc, Vol. 242 (2013)