Krebserkrankungen bei Hunden

verschiedene Krankheitsbilder

Hunde werden in der Krebsforschung schon lange als sogenanntes „Tiermodell“ benutzt, da sie angeblich dem Menschen in der Physiologie sehr ähnlich seien (1). Dies mag zwar nicht ganz schlüssig sein, aber damit kommt die Forschung dem Hundehalter auf der Suche nach Heilung entgegen.

In den USA erkranken von den 70 Millionen Hunden jedes Jahr 4 Millionen an Krebs (2). So können neben den herkömmlichen Tierexperimenten an den Instituten neue Medikamente in klinischen Studien an Hunden getestet werden.

Zu den häufigsten Krebserkrankungen zählen:

  • Hautkrebs und Mastzellentumore
  • Knochenkrebs
  • Lymphdrüsenkrebs
  • Prostatakrebs
  • Mammakarzinome
  • Kopf-Hals-Karzinome
  • Liposarkome
  • Lungenkrebs

Natürlich kann nur Ihr Tierarzt oder Ihre Tierärztin feststellen, ob und welchen Krebs Ihr Hund hat. Auch bedarf jede Behandlung einer genauen Abwägung in Absprache mit dem Hundehalter. Wir wollen hier deshalb nur kurz auf die häufigsten Krebserkrankungen eingehen. Beachten Sie aber, dass beim Hund, wie beim Menschen, ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung vor Krankheiten schützen kann.

Hautkrebs und Mastzellentumore

Mastzellentumore gehören zu den häufigsten Tumoren bei Hunden und sind laut der Texas A&M Universität für Veterinärmedizin 35 mal häufiger als beim Menschen. Am weitesten verbreitet sind Tumore an der Haut, gefolgt von Milz, Leber und Knochenmark. Mastzellentumore können rassebedingt eher auftreten und sind bei American Staffordshire, Boxer, Beagle, Boston Terrier, Bulldoggen, Bullterrier Bullmastiff, Bullterrier, Dackel, English Setter, Foxterrier, Golden Retriever, Schnauzer, und Weimaraner relativ häufig (4).

Da Mastzellen überall im Körper sind und sehr viele Aufgaben übernehmen, sind die Symptome vielfältig und von Hund zu Hund verschieden. Sie können Probleme wie Gastritis, innere Blutungen und eine ganze Reihe von Allergien hervorrufen. Wenn Sie ein „Gewächs“ feststellt haben wird der Tierarzt eine Biopsie durchführen und ein Blutbild machen. In der Blutuntersuchung wird der Anteil weißer Blutkörperchen, der Wert der Blutblättchen und der Mastzellenwert ermittelt. Daraufhin bewertet der Tierarzt das Stadium des Krebses. Die meisten Tumore wird man, falls möglich, sofort entfernen.

Die Schwierigkeit liegt nicht nur in der Diagnose, sondern auch bei der Prognose für den Krankheitsverlauf. Je nach Art und Stadium des Tumors sind die Aussichten für den Hund unterschiedlich. Falls der Tumor noch nicht gestreut hat und vollständig entfernt werden konnte, ist die Prognose sicher sehr gut.

Knochenkrebs

Das Osteosarkom, auch osteogenes Sarkom genannt, ist der häufigste bösartige Knochentumor und wird als Knochenkrebs bezeichnet. Laut einer Studie der Texas A&M Universität für Veterinärmedizin haben Hunde im Vergleich zu Menschen ein 8-fach erhöhtes Risiko an einem solchen Sarkom zu erkranken.

85% aller Knochenkrebserkrankungen werden bei Hunden über 20 kg diagnostiziert. Ein großer Anteil sind männliche Hunde zwischen 8 und 10 Jahren (3). Erste Anzeichen sind oft ein Lahmen oder auch Knochenbrüche. Das Osteosarkom ist sehr aggressiv und streut schnell auf andere Knochen und die Lunge. Eine reine Amputation bringt aus diesen Gründen wenig und die durchschnittliche Überlebensrate nach einer Amputation beträgt nicht mal 5 Monate (3). Es gibt heute eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten zusätzlich zu einer Amputation, die eventuell noch einige beschwerdefreie Monate schenken könnten.

Lymphdrüsenkrebs

Zu Krebserkrankungen des Lymphatischen Systems gehört das bösartige Lymphom und die Leukämie, es ist die dritthäufigst diagnostizierte Krebsart bei Hunden.

Als Ursache werden genetische Faktoren, sowie Umwelteinflüsse genannt. Besonders anfällige Rassen sind: Boxer, Bassets, Airedale Terrier, Chow Chow, Deutscher Schäferhund, Pudel, Bernhardiner, Bulldoggen, Beagle, Rottweiler und Golden Retriever (7).

Die Einteilung geschieht meist nach dem Entstehungsort und bei etwa 80% sind dies Tumore in den Lymphknoten, der Leber, dem Knochenmark oder der Milz. Ein Hauptmerkmal ist ein hoher Calciumgehalt im Blut. Dies kann dazu führen, dass der Hund mehr trinkt und öfters Urin ablassen muss. Auch sind die Lymphknoten am Hals, an den Acheln, an den Leisten und an den Knien meist vergrößert.

Eine Diagnose kann ihre Tierärztin recht einfach durch einen Bluttest, Ultraschall und Biopsie durchführen. Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Krankheit und es wird in folgende fünf Stadien unterschieden.

  • Stadium 1 – nur ein Lymphknoten ist befallen
  • Stadium 2 – Lymphknoten eines begrenzten Bereichs sind befallen
  • Stadium 3 – mehrere Lymphknoten sind befallen
  • Stadium 4 – Lymphknoten und Leber oder Milz sind befallen
  • Stadium 5 – zusätzlicher Befall im Blut oder Knochenmark

Eine vollständige Heilung ist leider selten, aber die Krankheit kann heute durch Chemotherapie sehr gut aufgehalten werden. Die durchschnittliche Überlebenszeit beträgt gut ein Jahr im Gegensatz zu unbehandelten Hunden mit etwa zwei Monaten. Eine sachgemässe Behandlung hat heute nur wenig Nebenwirkungen (8).

Bei jungen Hunden und Hundehaltern mit viel Geld und guter Anbindung zu einer Klink, kann über eine Stammzellentransplantation nachgedacht werden. Hier liegen die Chancen auf eine Heilung bei über 50%. (9)

Prostatakrebs

Ein Adenokarzinom an der Prostata wird Prostatakrebs genannt und wird beim Hund selten frühzeitig diagnostiziert. Die Symptome beim Rüden sind ähnlich denen beim Menschen:

  • Blut im Urin
  • Fieber
  • Probleme beim Kot absetzen
  • Gewichtsverlust
  • Appetitlosigkeit
  • Hinterhandschwäche

Oft handelt es sich bei Rüden auch um gutartige Schwellungen, die sogenannte Prostatahyperplasie. Hier kann eine Kastration das Problem leicht beheben.

Bei älteren, unkastrierten Rüden sollten vom Tierarzt regelmäßig rektale Untersuchungen der Prostata durchgeführt werden. Der Tierarzt kann auch Blut- und Harnuntersuchungen, Röntgenaufnahmen, eine Ultraschalluntersuchung der Prostata oder auch eine Biopsie durchführen.
Falls der Tierarzt einen Tumor festgestellt hat, besteht nur Hoffnung, falls dieser noch nicht gestreut hat.

Im Gegensatz zum Menschen, ist der Prostatakrebs bei Rüden sehr aggressiv und es besteht eine schlechte Prognose. Auch aus diesem Grund wird bei Rüden selten direkt Prostatakrebs diagnostiziert, da der Krebs beim Vorstellen des Hundes schon auf andere Organe gestreut hat, meist auf Knochen oder Lunge, und das Tier muss bald erlöst werden. Studien sprechen von einer durchschnittlichen Lebensdauer von etwa 20 Tagen, nach der Diagnose von Prostatakrebs. (5)

Mammakarzinome

Krebs am Gesäuge ist bei Hündinnen etwa 4 mal häufiger als beim Menschen (1) und in ungefähr der Hälfte aller Fälle bösartig. Die einzige bis heute bekannte Vorsorge ist das Kastrieren, wobei die Empfehlungen für den richtigen Zeitpunkt stark von einander abweichen. Einzig als gesichert gilt, dass Hündinnen, die vor ihrer ersten Läufigkeit kastriert werden, nur sehr selten am Mammakarzinom erkranken. Wogegen eine Kastration ab etwa 2,5 Jahren keinen statistischen Unterschied mehr ausmacht (6).

Hat Ihre Tierärztin ein Karzinom am Gesäuge diagnostiziert, wird es in der Regel operativ entfernt. Je nach Stärke der Erkrankung folgt eine Chemotherapie oder auch Bestrahlung.

Kopf-Hals-Karzinome

Tumore an Kopf oder Hals können Mastzellentumore sein. Mastzellentumore kann man nur durch eine Biopsie oder einen pathologischen Befund eindeutig identifizieren und sie können sowohl relativ harmlos als auch ausgesprochen bösartig sein.
Orale Melanome und Sarkome können bösartige Plattenepithelkarzinome sein. Tumore im Maul werden leider oft erst entdeckt, wenn Metastasen in andere Organe gelangt sind. Hunde mit Maulhöhlentumoren fressen schlecht, magern ab und ihr Speichel kann blutig sein.

Liposarkome

Lipome sind Fettgeschwulste und in den allermeisten Fällen gutartig. Es gibt im Grunde drei Arten von Lipomen:
 

  • Kleine gut abgegrenzte Lipome die den Hund nicht weiter behindern.
  • Lipome die in umliegendes Gewebe eindringen und Muskeln oder Bindegewebe schädigen können.
  • Liposarkome die mitunter bösartig werden können.

Ob ein Liposarkom vorliegt, lässt sich nur durch eine Biopsie ermitteln. In diesem Fall muss das Liposarkom großräumig herausoperiert werden und die Heilungschancen hängen davon ab, ob der Krebs schon gestreut hat. Durch Bestrahlungen lassen sich  Metastasen eventuell aufhalten.

Lungenkrebs

In 75% aller Lungenkrebsfälle handelt es sich um ein Bronchalkarzinom. Das Bronchalkarzinom streut über die Lymphknoten sehr schnell im ganzen Körper, vor allem in die Kochen, in das Gehirn und in die Augen.

Die Hauptsymptome sind

  • Probleme beim Atmen und schnelles Atmen
  • Gewichtsverlust
  • Husten ohne- und später mit Blut
  • Lahmen, wenn die Metastasen schon in den Knochen sind
  • Wasseransammlung in den Gliedmassen

Bei Verdacht auf Lungenkrebs, wird Ihr Tierarzt zuerst das Blut untersuchen und die Lunge röntgen. Meist wird ein Lungenkrebs wie beim Menschen viel zu spät diagnostiziert und eine Heilung ist eher unwahrscheinlich.

Zum Abschluss noch ein Kommentar der Kleintiermedizinerin Frau Dr. Erika Michel von der Universität Zürich:

«Die meisten Erkenntnisse, die wir über Tiere haben, sind ‚Abfallprodukte’ von Tierversuchen aus der Pharmaforschung. Doch auch hier gilt: Was an der Maus erforscht wurde, kann nicht eins zu eins auf den Hund, und was am Hund, kann nicht eins zu eins auf die Katze übertragen werden. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass das, was für den Menschen gilt, auch auf Tiere übertragbar ist. Als Tierärzte wissen wir aber, wie stark sich selbst alle Säugetiere voneinander unterscheiden. Und so verläuft auch der Krebs beim Hund anders als beim Menschen.»

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne in unserem Pet-Club zur Verfügung: Forum von Petsnature

© Dr. Hannah Miriam Jaag 2013 – www.hmjaag.de
© Fotos: www.wikipedia.de
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Quellen:
1 The dog as a cancer model. Khanna C et al.  Nature Biotechnology 24, 1065 - 1066 (2006).
2 Spontaneously occurring tumors of companion animals as models for human cancer. Vail DM, MacEwen EG. Cancer Invest. (2000).
3 Prognostic factors in canine appendicular osteosarcoma – a meta-analysis. Ilse Boerman et. al. BMC Veterinary Research. (2012).
4 Canine Mast Cell Tumors: A Common Cancer in Dogs. Dog, Cat, and Pet Care Tips, Health and Behavior Information by Veterinarians. Veterinary Services Department. (2010).
5 Prostate cancer in dogs: Comparative and clinical aspects. Bruce E. LeRoy and Nicole Northrup. The Veterinary Journal 180 (2009).
6 The effect of neutering on the risk of mammary tumours in dogs – a systematic review. W. Beauvais, J. M. Cardwell and D. C. Brodbelt. J Small Anim Pract. (2012).
7 Cancer in Dogs and Cats. Morrison and Wallace B. (1998).
8 Overview of Canine Malignant Lymphoma. The Merck Veterinary Manual.
9 Autologous peripheral blood hematopoietic cell transplantation in dogs with B-cell lymphoma. Willcox JL, Pruitt A, Suter SE. J Vet Intern Med. (2012).