Futtermitteletiketten Teil II

Der Futtermittelmarkt ist in den letzten Jahrzehnten erheblich gewachsen. Immer mehr verschiedene Futtersorten und -varianten finden sich in den Regalen der Verkäufer. Als Katzenhalter ist es schwer aus dieser breiten Palette an Angeboten das passende Futter für seine Katze heraus zu finden.

Anhand der folgenden Auflistung und Definitionen können Sie sich einen Überblick verschaffen und besser beurteilen, welches Futter gut verträglich und gesund für Ihre Katze ist. In diesem Teil der Etikettenkunde gibt es eine Fülle an Informationen und Bezeichnungen, die auf den ersten Blick erschlagend wirken. Es ist jedoch wichtig sich einen Überblick zu verschaffen und zu verstehen, was sich hinter den Begriffen auf den Futtermitteletiketten verbirgt, wenn man seinen Katze gesund und richtig ernähren will.

Inhaltsstoffe und Zusätze in der Zusammensetzung eines Futters – was bedeutet was?

Die auf dem Etikett aufgeführte Futterzusammensetzung lässt sich in die Futterbestandteile und die Futtermittelzusatzstoffe unterteilen. Zu den Futtermittelzusatzstoffen gehören beispielsweise die „Haltbarmacher“ wie Antioxidantien und Konservierungsmittel, Farb- und Aromastoffe aber auch Wirkstoffe wie bestimmte Vitamine, Enzyme oder Aminosäuren. Sie haben eine fördernde oder hemmende beziehungsweise regulierende Wirkung auf das Futter selbst oder im tierischen Organismus. Welcher Stoff in welche Gruppe gehört und was genau ein Zusatzstoff und was ein Wirkstoff ist, ist in der Europäischen Union und ihren Mitgliedsländern gesetzlich geregelt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Arbeitsgemeinschaft für Wirkstoffe in der Tierernährung e.V.

Futtermittelgruppen, die gesetzlich auf dem Etikett deklariert sein müssen (Europa)

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse
Dies umfasst alle fleischigen Teile von geschlachteten, warmblütigen Landtieren (frisch oder nach entsprechender Behandlung) und alle Produkte und Nebenerzeugnisse aus der Weiterverarbeitung der Schlachtkörper.

In den USA wird „Fleisch“ genauer definiert: Fleisch kann eine Mischung aus verschiedenen Sorten sein, es sei denn die Quelle wird angegeben (Huhn, Lamm). Es kann aus Muskelfleisch, Herz, Zunge oder Zwerchfell sein, mit allem, was dazu gehört: Fett, Haut, Blutgefäße. Dies aber nur in den entsprechenden Anteilen, die normalerweise in diesem Fleisch vorkommen. (AAFCO, Association of American Feed Control Officials) Zu den Fleischnebenerzeugnissen gehören beispielsweise: Hirn, Lunge, Nieren, Blut, Knochen, Gewebe, Sehnen, Haut, Drüsen, Geschlechtsorgane, Mägen und Därme. Zu den Geflügelnebenerzeugnissen zählen: Köpfe, Füße, Eingeweide (mit Darm), Blut und Federn.

Nicht alle Nebenerzeugnisse sind schlecht, denn zu ihnen können auch die Innereien gehören, die in einem gewissen Umfang in der Tiernahrung erwünscht sind, weil sie für die Ernährung des jeweiligen Tieres einen sinnvollen Nährwert mitbringen. Allerdings ist es unmöglich anhand der Bezeichnung „Nebenerzeugnisse“ deren genaue Zusammensetzung zu erkennen. Futtermittelhersteller, die ein qualitativ hochwertiges Futter produzieren, werden ihre Zutaten nicht hinter dem Begriff „Nebenerzeugnisse“ verstecken, sondern genau auflisten, was in ihrem Futter enthalten ist oder auf Anfrage Auskunft zu der Zusammensetzung der Nebenerzeugnisse geben.

Milch und Molkereierzeugnisse
Zusammenfassung aller Milchprodukte, frisch oder nach entsprechender Behandlung, und Nebenerzeugnisse bei der Verarbeitung derselben.

Ei und Einebenerzeugnisse
Alle Eiprodukte, frisch oder nach entsprechender Behandlung, und Nebenerzeugnisse bei der Verarbeitung derselben. Auch Eierschalen gehören dazu.

Öle und Fette
Alle tierischen und pflanzlichen Fette und Öle werden hier zusammen gefasst.

Hefen
Dies umfasst alle Hefen, abgetötete und getrocknete Zellen. Tote Hefen aus Bier- und Brauhefen stellen lediglich eine Proteinquelle im Futter unserer Haustiere dar. Sie enthalten zudem einen großen Anteil an Vitamin B. Lebende Hefen werden in einigen Fällen dem Futter von Milchkühen zugesetzt und sollen für eine Stabilisierung des Pansen-pH-Werts sorgen.

Fisch und Fischnebenerzeugnisse
So werden alle Fische oder Fischteile, frisch oder nach entsprechender Behandlung und Nebenerzeugnisse bei der Verarbeitung derselben bezeichnet. Zu den Fischnebenerzeugnissen gehören: Fischinnereien, Köpfe, Gräten, Flossen, Augen.

Getreide
Dies umfasst alle Arten von Getreide, ungeachtet ihrer Verarbeitung. Aus dem stärkehaltigen Endosperm hergestellte Produkte zählen ebenfalls dazu.

Gemüse
Alle Arten von Gemüse und Hülsenfrüchten werden so zusammen gefasst, frisch oder nach entsprechender Behandlung.

Pflanzliche Nebenerzeugnisse
Hierzu zählen Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung von pflanzlichen Produkten, insbesondere Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte und Ölsamen. Gemüseabfälle aus der Lebensmittelverarbeitung, Pressrückstände aus der Ölverarbeitung, kostengünstiges Soja, das allerdings für Hund und Katze schwer verdaulich ist, Rübenschnitzel, Maisgluten, Cellulose aus beispielsweise Erdnussschalen, Braureis, Reisstärke, Abfallprodukte aus der Bierherstellung - all dies kann in diese Futtermittelgruppe fallen.

Mineralstoffe
So werden alle anorganischen Substanzen bezeichnet, die für Tierfutter geeignet sind.

Zucker
Alle Arten von Zucker werden damit zusammen gefasst.

Weitere Informationen können der Futtermittelverordnung entnommen werden:

Futtermittelverordnung
Futtermittelverordnung als pdf-Datei

Zusatzstoffe

Zusatzstoffe sind natürliche oder synthetisch erzeugte Stoffe, die Lebens- und Futtermitteln zugesetzt werden, in diesen verbleiben und mit ihnen verzehrt werden. Das sind beispielsweise Aroma- und Farbstoffe, Vitamine, Emulgatoren, Antioxidantien oder Konservierungsmittel. In Europa müssen Zusatzstoffe im Tierfutter entsprechend ihrer Zugehörigkeit deklariert werden (sogenannte Gruppenzugehörigkeit): Konservierungsstoffe, Antioxidantien und Farbstoffe.


Gebräuchliche Zusätze für Haustierfutter

Antioxidantien
Ethoxiquin, Butyl-hydroxianisol (BHA), Tertiärbutyl-hydrochinon (BHQT), Butylhydroxytoluol (BHT), Propylgallat, Tocopherole, Rosmarinsäure/Rosmarinchinon.

Antioxidantien sind natürliche oder synthetische Stoffe, die die Inhaltsstoffe des Futters vor der Schädigung durch Sauerstoff (Oxidation) schützen sollen. Sie verhindern das Ranzigwerden des Fetts und dienen der Konservierung. Natürliche Antioxidantien sind "Radikalfänger". Sie haben durch das Abfangen schädlicher freier Radikale eine zellschützende Wirkung auf den Organismus. Natürliche Antioxidantien sind zum Beispiel in Knoblauch, Süßholz, Leinsamen, Vollreis, Ingwer, Tee, Kaffee, Rosmarin, Petersilie, Traubenkernöl enthalten. Auch Muttermilch enthält einen Anteil an natürlichen Antioxidantien; hier helfen diese bei der Infektionsabwehr der Babies und Jungtiere.

Antimikrobielle Konservierungsstoffe
Zitronensäure, Salzsäure, Phosphorsäure, Sorbinsäure, Fumarsäure, Pyroligninsäure, Propionsäure, Natriumproprionat, Kalziumpropionat, Kaliumsorbat, Natriumnitrit.

Aufgrund der Feuchtigkeit, die im Tierfutter enthalten ist und seiner meist wohl nicht sterilen Lagerung werden dem Tierfutter oft antimikrobiell wirksame Konservierungsmittel hinzugesetzt. Mit diesen soll das Wachstum der Bakterien und/oder Schimmelbildung unterbunden werden.

Feuchtigkeitsbinder
Sorbitol, Maissirup, Sucrose / Dextrose, Melasse, Propylenglykol.

Feuchtigkeitsbinder reduzieren den Gehalt an aktivem (freien) Wasser durch Bindung und verhindern einen Wasserverlust nach der Herstellung. Sie schützen das Futtermittel also vor der Austrocknung.

Farbstoffe / Konservierungsstoffe
Künstliche Farbstoffe, natürliche Farbstoffe, Azofarbstoffe (Tartazin, Sunset Yellow, Allura Red), Nonazofarbstoffe (Brilliantblau und Indigotin), Zuckercouleur, Natriumnitrit, Titandioxid, Eisenoxid, Natriummetabisulfit, Kaliumaluminiumsulfat.

Farbstoffe sind Zusatzstoffe, die der Erhöhung der Attraktivität des Produktes für den Kunden dienen. Ein Beispiel für natürliche Farbstoffe sind die Karotinoide, die für die gelbliche bis rötliche Färbung bei Karotten sorgen.

Aromastoffe / Aromaverstärker
Eiweißhydrolysate, künstliche Aromastoffe, natürliche Aromastoffe, Zitrubiflavonoide, Lebermehl, getrockneter Käse oder Käsepulver, Mononatriumglutamat, natürliches Räucheraroma.

Das Aroma beschreibt den Eindruck aus Geruch und Geschmack, der beim Fressen wahrgenommen wird. Über die Zunge können nur wenige Geschmacksrichtungen wahrgenommen werden. Die Rezeptoren der Nasen-Riechschleimhaut sind gerade beim Tier wesentlich besser ausgestattet und erlauben die Unterscheidung mehrerer Hundert unterschiedlicher Duftstoffe.

Geschmacksverstärker
L-Lysin, Zwiebelpulver /-öl, Knoblauchpulver /-öl, Phosphorsäure, Salzsäure, Sucrose, Dextrose, Melasse, Gewürze, azidifizierte Hefe, Molke, Fleischextrakte (Rind, Huhn, Truthahn), Wasser (Feuchtigkeit.

Geschmacksverstärker verstärken den Geschmack von Futtermitteln beziehungsweise von bestimmten Bestandteilen des Futters. So bevorzugen Hunde den Geschmack von Fett, Zucker und Eiweißhydrolysaten wogegen Katzen lieber den Geschmack von Fleisch und anorganischen Säuren mögen. Der Geschmack wird ebenfalls durch den Herstellungsprozess beeinflusst: Produkte, die einen größeren Anteil an Tiermehlen beinhalten sind weniger schmackhaft für das Tier als Futtermittel, bei deren Herstellung frisches Fleisch zum Einsatz kommt. In Dosenfutter (Futter mit hohem Feuchtigkeitsgehalt) sind Geschmacksverstärker aufgrund des hohen Feuchtigkeitsgehalts meist weniger wirksam als in Futtermitteln mit geringerem Feuchtigkeitsgehalt.

Kritisch betrachtet sollte ein Futter nicht auf den Einsatz und Gehalt von Geschmacks- und Aromaverstärker angewiesen sein, sondern durch die Hochwertigkeit seiner Bestandteile gerne vom Vierbeiner akzeptiert und gefressen werden.

Emulgatoren, Stabilisatoren und Verdickungsmittel
Monoglyzeride (von essbaren Fetten und Ölen), Diglyzeride (von essbaren Fetten und Ölen), Glyzerin, modifizierte Stärke, Kleber (Hydrokoloide): Seetangextrakte (Alginat, Karrageen), Samenkleber (aus Guar), mikrobielle Kleber (Xanthan), chemisch modifizierte Pflanzenbestandteile (Natriumcarboxymethylzellulose).

Emulgatoren dienen der Vermischung zweier ansonsten nicht mischbaren Stoffe (wie zum Beispiel Wasser und Öl). Das Gemisch dieser Stoffe wird als Emulsion bezeichnet. Stabilisatoren sind chemische oder biochemische Stoffe, deren Zusatz im Futter für die Erhaltung von Konsistenz, Aroma und anderen definierten Eigenschatten sorgt. Zu ihnen gehören auch die Verdickungsmittel, welche eine bestimmte Konsistenz im Futter erzeugen und erhalten oder dort auch Fettigkeit imitieren, um beispielsweise Leichtprodukte reichhaltiger erscheinen zu lassen.

Wirkstoffe in Tierfutter

Mit Wirkstoffen meint man Zusatzstoffe, die eine bestimmte Wirkung auf den tierischen Organismus haben:

Vitamine
Vitamine sind lebenswichtige organische Verbindungen, die spezielle Aufgaben im Stoffwechsel des Tieres übernehmen. Das Tier ist auf die Zufuhr von Vitaminen über die Nahrung angewiesen, da sein Organismus meist nicht in der Lage ist, diese selbst zu herzustellen.
Die fettlöslichen Vitamine sind A, D, E, K; wasserlöslich hingegen sind die Vitamine B und C. In Europa müssen die Vitamine A, D und E auf dem Etikett angegeben werden, wenn sie dem Futtermittel zugesetzt worden sind.

Aminosäuren
Die für das Tier lebensnotwendigen essentiellen Aminosäuren sowie eine Ergänzung von essentiellen Aminosäuren zum Ausgleich von Ungleichgewichten an Aminosäuren, welche sonst zu einer Senkung der Verwertbarkeit aller aufgenommenen Aminosäuren führen kann, werden hier zusammen gefasst.

Mineralstoffe
Diese anorganischen Bestandteile des Futters kann das Tier nicht selbst bilden. Sie müssen über die Nahrung zugeführt werden, um den Bedarf zu decken. Man unterscheidet generell die Mengenelemente (Angabe in g) und die Spurenelemente (Angabe in mg).

  • Mengenelemente: Kalzium (Ca), Phosphor (P), Magnesium (Mg), Kalium (K), Natrium (Na), Chlor (Cl)
  • Spurenelemente: Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Zink (zn), Mangan (Mn), Kobalt (Co), Jod (J), Selen (Se) und weitere


Diese Aufzählungen und Definitionen sind längst nicht vollständig. Jedoch sollen sie einen Eindruck über die vielen Faktoren bieten, die beim Futterkauf bedacht werden müssen. Ein gesundes und artgerechtes Katzenleben fängt schon bei der Wahl des richtigen Katzenfutters an.

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© Jill Peters 2009 - www.visions-inside.de

Quellen:
Klinische Diätetik für Kleintiere - Michael S. Hand, 4. Auflage
Arbeitsgemeinschaft für Wirkstoffe in der Tierernährung e.V.
Tier-gesundheitspraxis.ch
dog-fitness.de
Roudebush P. Pet food additives. Journal of the American Veterinary Medical Association 1993; 203: 1667-170