Futtermitteletiketten Teil III

In den ersten beiden Teilen über die Futtermitteletiketten finden Sie viele wichtige Informationen und Details, die Sie zur Beurteilung der Inhaltsstoffe eines Futters nutzen können. An dieser Stelle werden anhand einiger Beispiele die Angaben auf dem Futtermitteletikett gedeutet:

Was bedeutet die Futterzusammensetzung auf dem Etikett?

Vorweg eine kurze  Erläuterung über die Qualitätskontrollen bei der Futtermittelherstellung. Qualitätskontrollen werden bei der Herstellung von Futter nicht gefordert. Sie sind nicht gesetzlich festgelegt, sondern liegen im Ermessen des Herstellers.

Der Katzenhalter als Kunde legt Wert auf das Urteil von Futtermittelvertreibern (wie Tierärzte und Zoofachhandlungen u.a.) und über Mundpropaganda (Tierärzte, Züchter, andere Tierhalter) erwirbt sich der jeweilige Futtermittelhersteller einen gewissen Ruf bezüglich der Qualität des von ihm hergestellten Futters. Diese Qualität ist jedoch relativ, da der Begriff "Qualität" für verschiedene Menschen unterschiedliche Bedeutung und Gewichtung hat.

Die Qualitätskontrollen liegen im Ermessen des einzelnen Futterherstellers. Manche sind sehr engagiert und entwickeln sogar weltweite Standards, führen zahlreiche Tests zur Feststellung der Qualität des Endproduktes durch, andere hingegen kümmern sich weniger um die Kontrollen. Manche verwenden nur hochwertige Zutaten, andere hingegen greifen lieber zu billigen Inhaltsstoffen.


Beispiel 1: Hersteller W, Alleinfutter, Futtersorte A "mit zartem Rindfleisch, Pasta und grünen Bohnen"

Die Beschreibung klingt in unseren Ohren erst einmal nach einem kulinarischen Produkt. Es läuft dem Katzenhalter selbst schon das Wasser im Munde zusammen. Das klingt lecker, natürlich und gesund.

Die Zusammensetzung auf dem Etikett liest sich wie folgt:

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (u.a. mind. 4% Rind,), Gemüse (mind. 4 % grüne Bohnen), Bäckereierzeugnisse (mind. 4% gekochte Nudeln), Getreide, Mineralstoffe, pflanzliche Nebenerzeugnisse.

Zusatzstoffe:
Vitamin E: 15 mg/kg, Farb- und Konservierungsstoffe (EG-Zusatzstoffe)

Erläuterung: Der größte Anteil des Futters besteht aus Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen. 4% des Fleisches und 4% der tierischen Nebenerzeugnisse stammen vom Rind. Damit sind 4% dieser Futtermittelgruppe genauer definiert. Woraus sich der Rest zusammensetzt und in welchen Anteilen ist nicht erkennbar für den Kunden.

Ähnliches gilt für den zweithöchsten Anteil des Futters, Gemüse: auch hier ist es nicht erkennbar, woraus sich die restlichen 96% des Gemüseanteils zusammensetzen.

Bäckereierzeugnisse: darunter fallen Brot, Kuchen, Nudeln und vieles mehr. Dies kann auch ein Hinweis sein auf versteckten Zuckergehalt im Futter.

Auch bei dem Getreideanteil ist nicht ersichtlich, woraus der Hauptteil - immerhin 96% - besteht.

Der Katzenhalter und Futtereinkäufer hat jetzt im Hinterkopf, dass für seine vierbeinigen Fleischfresser daheim viele Getreidesorten schlecht verdaulich sind. Reis zählt zu den gut verdaulichen Getreidesorten für Fleischfresser. Mineralstoffe: Zusatzstoffe, um eventuelle Unausgewogenheiten der Futterbestandteile auszugleichen, damit es vollwertig ist. Pflanzliche Nebenerzeugnisse - dies kann wieder "alles oder nichts" sein, denn die Definition dieser Gruppe ist sehr vage und offen gehalten. Auch hier spielt bei der Entscheidung zum Kauf der Ruf des Herstellers und das Vertrauen in ihn eine große Rolle. Farbstoffe sollten in einem Tierfutter gänzlich überflüssig sein. Hier kommt es nur dem Auge des Katzenhalters zugute. Der Einsatz von Konservierungsstoffe ist fragwürdig. Von Interesse wäre hier, welche Konservierungsstoffe eingesetzt worden sind.

Beispiel 2: Hersteller X, Alleinfutter, Futtersorte B "mit Geflügel, Gemüse und Reis"

Die Informationen über dieses Produkt stammen nicht von der Etikettierung, sondern von der Hersteller-Homepage. Wie das Futter in Beispiel 1 erscheint das Produkt dem Futterkäufer auf den ersten Blick gesund und natürlich.

Ein Blick auf die vom Hersteller versprochene Zusammensetzung verrät Folgendes:

Getreide (mind. 4% Reis), pflanzliche Nebenerzeugnisse, Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse ( mind. 4% Geflügel), Getreide (mind. 4%), Öle und Fette, Gemüse (mind. 4%), Mineralstoffe, Milch und Molkereierzeugnisse, Zucker.

Erläuterung: Betrachtet man die Reihenfolge der Auflistung der Inhaltsstoffe, so lässt sich erkennen, dass Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse erst an dritter Stelle angeführt werden und somit nur den drittgrößten Anteil in dieser Zusammensetzung ausmachen. Fleisch sollte jedoch immer der Hauptbestandteil eines Futters für Fleischfresser sein!

Stattdessen ist der Hauptbestandteil Getreide, von dem nur 4% sicher aus Reis bestehen. Der restliche Getreideanteil ist nicht weiter beschrieben. Dies könnte auf einen hohen Gehalt an für unsere Katze schwer verdauliche Getreide hinweisen. Dazu kommt der zweithöchste Anteil: pflanzliche Nebenerzeugnisse. Wie bereits in Beispiel 1 beschrieben, ist es unklar, was sich hinter diesem Begriff verbirgt.

Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse machen nur den dritthöchsten Anteil aus. Hiervon sind wiederum 4% Fleisch von Geflügel und 4% tierische Nebenerzeugnisse aus der Geflügelverarbeitung. Um welches Geflügel es sich handelt, wird nicht näher dargelegt. Und nun der irritierende Punkt: an vierter Stelle wird erneut Getreide angeführt mit einem Mindestgehalt von 4%. Die Angaben über den Getreidegehalt könnten fälschlicherweise bei der Produktbeschreibung auf der Internetpräsenz des Herstellers entstanden sein. Auf jeden Fall sollte beim Kauf noch mal ein Kontrollblick auf das Etikett geworfen werden.

Es folgen Öle und Fette, deren Herkunft ebenfalls nicht weiter beschrieben ist. Das Gemüse, mit dem im Namen geworben wird, findet sich an sechster (!) Stelle in der Aufzählung. Auch hier ist unklar, worum es sich handelt. Es folgen Mineralstoffe, Milch und Molkereierzeugnisse und das Schlusslicht bildet: Zucker. Zucker hat in Katzenfutter nichts zu suchen.

Beispiel 3: Hersteller Y, Alleinfuttermittel, MIT LAMM, ENTE UND WILD-GEFANGENEM FISCH

Dieses Produkt stammt aus Kanada und der Hersteller bewirbt es als " Katzen...gedeihen am besten mit einer Nahrung, die reich an tierischen Proteinen und Fetten ist  und keine ungeeigneten Kohlenhydrate und Getreide enthält.".

Zusammensetzung: Lammtrockenfleisch, Süßkartoffeln, Erbsen, frisches knochenfreies Lammfleisch, frische freilaufende Ente, frische Volleier, sonnengereifte Alfalfa (Luzerne), Sonnenblumenöl, fangfrischer Zander, Kürbis, frischer nördlicher Hecht, Äpfel, Karotten, Speiserübe, biologische Meerespflanzen (Seetang, Blasentang, Rotalgen), Wacholderbeeren, Preiselbeeren, Felsenbirnen, schwarze Johannisbeeren, Engelwurz, Chicorée-Wurzel, Rotklee, rote Himbeerblätter, Löwenzahnwurzel, Pfefferminzblätter, Dotterblumen, Kamille, Rosmarin,  Lactobacillus adidophilus, Enterococcus faecium (probiotische Bakterien).

Zusatzstoffe:

Vitamin A               --- 18 KIU/kg   
Vitamin K2            --- 2,0 mg/kg
Vitamin D3           --- 2,0 KIU/kg   
B3 Nikotinsäure --- 230 mg/kg
Vitamin E               --- 400 IU/kg   
B1 Thiamine         --- 55 mg/kg
Vitamin B12         --- 400 ug/kg   
B2 Riboflavin        --- 45 mg/kg
Vitamin C              --- 83 mg/kg   
Choline             --- 3000 mg/kg
Biotin                    --- 1,9 mg/kg   
B6 Pyridoxine       --- 30 mg/kg
Folsäure              --- 3,2 mg/kg    
B5 Pan. Säure     --- 45 mg/kg

Pflanzliche Zutaten:

Wacholderbeeren    --- 300 mg/kg   
Engelwurz                 --- 300 mg/kg   
rote Himbeerblätter --- 250 mg/kg   
Löwenzahnwurzel   ---  250 mg/kg   
Pfefferminzblätter     --- 200 mg/kg   
Dotterblume              --- 200 mg/kg

Erläuterung: Jegliches Futterbestandteil ist aufgeführt und detailliert beschrieben. Die Bestandteile sind angelehnt an die Nahrung, die die Katze  in freier Natur zu sich nimmt. So fehlt jegliches Getreide in der Zusammensetzung, wogegen der pflanzliche (für die Katze geringe) Bedarf durch eine Vielzahl an Kräutern, Beeren und anderen Pflanzen gedeckt wird.

Noch einmal zur Erinnerung: der Hersteller kann, muss aber nicht, solche detaillierten Angaben über die Zusammensetzung machen. Wenn er diese Angaben macht, so ist deren Inhalt gewährleistet, denn der Hersteller darf natürlich keine falschen Versprechungen oder Angaben auf dem Etikett machen.

Bei dieser Sorte ist jede Zutat genau mit Namen definiert worden - dem Käufer ist genau ersichtlich, was aus welchen Zutaten sich das Futter zusammensetzt. Die Angaben sind offen dargelegt und somit gewährleistet der Hersteller die gleich bleibende Qualität seines Produktes: während Bezeichnungen wie "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" einen Spielraum bezüglich der Zusammensetzung lassen, sind bei dieser "offenen" Deklaration die Zutaten klar definiert. Dies erhöht das Vertrauen, das man in die Qualität dieses Produktes haben kann. Natürlich gibt nicht jeder Hersteller eines solchen Qualitätsproduktes immer alles so detailliert an - bei vielen qualitativ sehr guten Futtermitteln wird die Zusammensetzung weiterhin in die Futtermittelgruppen unterteilt angegeben (siehe Artikel "Futtermitteletiketten Teil II"). Dies ist ausreichend nach der gesetzlichen Regelung für die Etikettierung.

Haben Sie Fragen bezüglich Ihres Katzenfutters, so wenden Sie sich am besten direkt an den Hersteller oder Vertreiber. Dort sollte man Ihnen  Rede und Antwort stehen. Weitere Informationen und Hintergrundwissen zum Thema "Ernährung von Katzen" finden Sie in unserem Katzenratgeber.  Für weitergehende Fragen stehen wir Ihnen gerne in unserem Forum zur Verfügung: Forum von Petsnature

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