Was sind Zusatzstoffe?

Wer aufmerksam die Futtermitteletiketten, oder für sich selbst die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln liest, stolpert automatisch über die Zusatzstoffe. Diese werden bei Futtermitteln und Lebensmitteln eingesetzt, um Geschmack, Farbe, Struktur und Haltbarkeit zu stabilisieren oder zu regulieren, eine störungsfreie Produktion zu gewährleisten oder den Bedarf der Tiere an bestimmten Nähr- und Wirkstoffen zu erfüllen. Zusatzstoffe können sowohl natürlichen als auch künstlichen Ursprungs sein. Man unterscheidet folgende Zusatzstoffe:

Technologische Zusatzstoffe: Das sind Stoffe die aus produktionstechnischen Gründen zugesetzt werden, zum Beispiel Konservierungsstoffe, Antioxidantien oder Geliermittel.

Sensorische Zusatzstoffe: Sie sollen Geschmack, Geruch, Aussehen und Farbe verändern oder verbessern.

Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe: Mit ihnen wird das Tierfutter angereichert, damit eine optimale Versorgung durch Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Aminosäuren gewährleistet ist.

Zootechnische Zusatzstoffe: Diese Stoffe sollen die Leistung eines gesundes Tieres verbessern, dazu gehören unter anderem Verdaulichkeitsförderer wie Enzyme oder Mirkoorganismen für die Darmflora.

Lebensmittel- und Futtermittelzusatzstoffe müssen in Deutschland und der EU zugelassen sein. Eine Zulassung wird nur erteilt, wenn

  • keine gesundheitlichen Risiken bestehen (wissenschaftlicher Beweis nötig),
  • sie technologisch für die Produktion notwendig sind,
  • der Verbraucher nicht getäuscht wird.


Den letzten Punkt finde ich persönlich fragwürdig, wenn man sieht wie weit Werbung und tatsächlicher Inhalt auseinanderklaffen, aber das ist meine rein subjektive Meinung.

Rechtliches

In Deutschland regelt das LFGB (Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch) die Zulassung und Verwendung von Zusatzstoffen und das Bundesinstitut für Risikobewertung prüft die Neuzulassungen. Für die Europäische Union übernimmt das der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss (SFC). Generell gilt bei uns für alle Lebensmittelzusatzstoffe ein „Verbot mit Erlaubnisvorbehalt“, das bedeutet, dass alle Zusatzstoffe generell verboten sind, solange sie nicht ausdrücklich erlaubt werden.  Alle Zusatzstoffe werden mit einer so genannten E-Nummer benannt, es obliegt allerdings dem Hersteller, ob er die Zusatzstoffe mit ihrer E-Nummer, ihrem Trivialnamen oder ihrem wissenschaftlichen Namen benennt.

Alle erlaubten Zusatzstoffe sind in der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung (ZZulV) zu finden. Dort sind auch die zulässigen Höchstmengen beschrieben, bei denen eine toxikologische Unbedenklichkeit begründet und bewiesen ist. Damit ist die Menge gemeint, bei der in keinem Versuch – häufig Tierversuch! – ein messbarer Effekt aufgetreten ist. Zur allgemeinen Sicherheit wird dieser im Versuch ermittelte Wert durch einen Sicherheitsfaktor – in der Regel 100- dividiert und so die zulässige erlaubte Tagesdosis (ADI) bestimmt. Dieser Wert wird auch regelmäßig in Versuchen erneut überprüft. Bei der Festlegung der gesetzlichen Höchstwerte geht man von der „üblichen“ täglichen Verzehrmenge des Verbrauchers aus und errechnet dann den Höchstwert. Bei einigen Zusatzstoffen gibt es keine Angaben über die gesetzliche Höchstmenge, da gilt dann die Regel der „Guten Herstellungspraxis“: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Welche Zusatzstoffe gibt es?

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über die Zusatzstoffklassen und ihre Aufgaben und Funktionen. Ich schreibe bewusst immer wieder von Lebensmitteln, denn für Lebensmittel und Futtermittel gelten die gleichen Zusatzstoffe.

Aminosäuren: Es gibt sowohl essentielle (können vom Körper nicht selbst produziert werden, sondern müssen mit der Nahrung aufgenommen werden) als auch nicht essentielle Aminosäuren, erstere werden dem Tierfutter beigefügt, wenn die verwendeten Rohstoffe sie nicht ausreichend liefern.

Antioxidationsmittel: Verlängern die Haltbarkeit durch Verhindern des Ranzigwerdens von Fetten, Farbveränderungen und Zerstörung luftempfindlicher Vitamine und Aromastoffe. Es wird die Oxidation einzelner Substanzen gezielt verhindert.

Backtriebmittel: Vergrößerung des Volumens von Teigen durch Einlagerung von Gasen.

Emulgatoren: Ermöglichen die homogene Vermischung und Verbindung von Flüssigkeiten, die sich normalerweise nicht mischen lassen. Klassisches Beispiel: Öl und Wasser werden mithilfe von Emulgatoren zu einer Emulsion.

Farbstoffe: Mit ihnen werden Lebensmittel eingefärbt, damit sie das Lebensmittel besser aussehen lassen und die Farberwartung des Verbrauchers befriedigen. Farbstoffe können sowohl natürlichen als auch künstlichen Ursprungs sein.

Festigungsmittel: Sie erhalten oder Verleihen dem Lebensmittel – z. B. Obst oder Gemüse – Festigkeit und Frische und bewahren sein appetitliches Aussehen. In Verbindung mit Geliermitteln erzeugen oder festigen sie Gele.

Feuchthaltemittel: Sie binden Wasser und verhindern damit die Austrocknung des Lebensmittels.

Füllstoffe: Sie füllen – wie der Name schon sagt – das Lebensmittel auf, haben aber keinen nennenswerten Gehalt als Nährstoff.

Geliermittel: Sie sorgen für eine sich verfestigende Form der Lebensmittel in dem sie im Wasser quellen oder Wasser binden und so ein gallertartige Masse bilden.

Geschmacksverstärker: Sie sollen den Geruch und/oder den Geschmack verstärken. Es gibt sowohl natürliche als auch künstliche Geschmacksverstärker. Lesen Sie mehr in unserem Artikel: Geschmacksverstärker

Komplexbildner: Sie verhindern die Farbveränderung von Lebensmitteln in Konservendosen.

Konservierungsstoffe: Sie sollen das Verderben von Lebensmitteln durch Bakterien oder Pilze verhindern. Dadurch schützen sie auch vor Lebensmittelvergiftungen.

Mehlbehandlungsmittel: Sie sollen die Backeigenschaften vom Mehl verbessern.

Mineralstoffe und Spurenelemente: Sie werden dem Futter zugesetzt, wenn die verarbeitetend Rohstoffe keine ausreichende Versorgung mit allen empfohlenen Nährstoffen gewährleisten.

Modifizierte Stärken: Sie werden aus essbaren Stärken gewonnen und chemisch modifiziert und dienen zum Andicken.

Packgase: Sie sorgen für Stabilität der äußeren Verpackung und schützen den Inhalt vor Wertminderung wie z. B. durch Luft.

Säuerungsmittel: Verleihen dem Lebensmittel einen sauren Geschmack und erhöhen den Säuregrad.

Säureregulatoren: Verstärken die Stabilität und Festigkeit eines Lebensmittels und unterstützen wie Wirkung von Konservierungsmitteln.

Schaummittel: Unterstützen die Bildung von Schaum und die Vermischung von Gasen und Flüssigkeiten, die sich normalerweise nicht vermischen würden.

Schaumverhüter: Verhindern unerwünschten Schaum bei der Lebensmittelherstellung.

Schmelzsalze: Verhindern die Trennung von Wasser, Fetten und Eiweißen z. B. bei der Schmelzkäseherstellung.

Stabilisatoren: Sie stabilisieren Farbe, Konsistenz, Struktur und Aroma eines Lebensmittels bei längerer Lagerung.

Süßungsmittel: Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe sorgen für einen süßen Geschmack.

Trägerstoffe: Sie binden andere Stoffe – oft andere Zusatzstoffe – an sich um diese wie gewünscht im Lebensmittel zu verteilen. Viele Zusatzstoffe müssen aufgrund ihrer Intensität so gering dosiert werden, dass sie ohne Trägerstoff sich nicht gut verteilen würden.

Treibgase: Sie werden verwendet um Lebensmittel aus einem Behältnis heraus zu pressen, ein gutes Beispiel ist hierfür die Sprühsahne.

Trennmittel: Sie verhindern das Aneinanderkleben von Lebensmitteln auch bei längerer Lagerung.

Überzugsmittel: Sie schützen vor Geruchs-, Geschmacks- und Feuchtigkeitsverlust und verlängern die Frische.

Verdickungsmittel: Ihre Hauptaufgabe ist dem Lebensmittel eine bestimmte Konsistenz oder Textur zu verleihen.

Vitamine: Sie werden dem Futter zugesetzt, wenn die Rohstoffe keine ausreichende Versorgung mit Vitaminen gewährleisten.

Sonderstellung Enzyme: Meistens sind im Herstellungsprozess verwendete Enzyme keine Zusatzstoffe, da sie keine Wirkung im Endprodukt haben. In diesem Fall müssen sie auch nicht deklariert werden. Sollten sie im Endprodukt noch vorhanden sein, müssen sie als Zusatzstoff angegeben werden.

Aromen oder andere natürliche oder naturidentische Stoffe gelten nicht als Zusatzstoff sondern als Zutat. Wobei die Grenze zwischen Zutat und Zusatzstoff recht fließend ist, entscheidend ist die Menge und der Grund für die Verwendung eines Stoffes im Lebens- oder Futtermittel.

Was sind Aromastoffe?

Im Folgenden Links finden Sie eine Aufstellung aller für das Tierfutter zugelassenen Zusatzstoffe und eine Auflistung aller zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe:

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Tabellarische Auflistung aller in der EU zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe

Bio-Produkte

Immer mehr Katzen- und Hundefreunde achten auf die Qualität des Tierfutters, da inzwischen erwiesen ist, dass bestimmte Erkrankungen durchaus auf die Fütterung minderwertigen Futters zurückgeführt werden können. Ein weiterer Grund liegt auch in den Haltungsbedingungen der Nutztiere, die für das Tierfutter verwendet werden und in der Art der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Deswegen gibt es immer mehr Tierfutter mit einem Bio-Güte-Siegel. Doch auch in Bio-Produkten dürfen einige Zusatzstoffe verwendet werden. Für normale Lebensmittel sind rund 320 Zusatzstoffe zugelassen, für Bio-Produkte immerhin noch rund 50. Auch hier ist ein Blick auf das Futtermitteletikett wichtig!

Allergieauslöser Zusatzstoffe?

Obwohl die Zusatzstoffe einem strengen Zulassungsverfahren unterliegen und auch nur gewissenhaft verwendet werden sollen, reagieren doch einige Katzen und Hunde auf bestimmte Zusatzstoffe allergisch. In den meisten Fällen handelt es sich allerdings um eine Pseudoallergie, das bedeutet, die Symptome (zum Beispiel tränende Augen, Hautreaktionen, Juckreiz, Asthma oder eine tropfende Nase) sind einer echten Allergie ähnlich, aber das Immunsystem ist bei der Reaktion nicht beteiligt.

Eigentlich sollte ein Blick auf die Zusammensetzung reichen, um zu erkennen, welche Zusatzstoffe dem Futter beigefügt sind. Wenn jedoch die verwendeten Rohstoffe schon mit Zusatzstoffen behandelt worden sind und diese in dem fertigen Futter keine Wirkung ausüben, müssen sie nicht mehr benannt werden. In so einem Fall hilft nur noch die direkte Nachfrage beim Hersteller.

Weitere Informationen über Futtermittelunverträglichkeiten finden Sie im Artikel:

Futtermittelunverträglichkeit

Zusatzstoffe sind in der heutigen Lebensmittel- oder Futtermittelproduktion gar nicht mehr weg zu denken. Wer sie weitgehend vermeiden will muss auf die wirklich hochwertigen Futtermarken zurückgreifen, die meistens auch sehr genau deklarieren oder seinen Hund oder seine Katze barfen: Rohfütterung für Katzen

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne in unserem Forum zur Verfügung: Pet Club

© Katja Tuszynski 2012 – www.marcating.de

Foto: www.sxc.hu

Quellen:

Wikipedia

Verbraucherinformationssystem

Zusatzstoffe-online

Bundesinstitut für Risikobewertung

PureNature