Abgabealter für Kitten

Leider liest man in vielen Kleinanzeigen allzu oft, das Kitten mit 6 – 8 Wochen abgegeben werden. Das ist viel zu früh, deswegen gibt es für diesen Punkt einen eigenen Artikel.

Entwicklungsstadien nach der Geburt

1. – 2. Lebenswoche: Die Katzen werden blind und taub geboren, ihr Geruchssinn funktioniert aber schon, Geschmacks- und Tastsinn auch. Eine eingeschränkte Hörfähigkeit setzt ab dem 7. Tag ein, eine eingeschränkte Sehfähigkeit ab dem 14. Tag. Der Entwicklungsprozess ihres Gehirns wird durch die von außen kommenden Impulse (Umweltreize) gefördert. Die Verdauung bzw. Ausscheidung funktioniert nur, wenn die Mutter ihnen den Bauch mit der Zunge massiert, die Verdauung damit anregt. Sie nehmen bis zu 4 Stunden täglich Nahrung von der Mutter auf. Sie wird neonatale (neugeborene) Phase genannt. Die Kitten sind absolut abhängig von der Mutter und noch nicht fertig entwickelt.
 

 

 

 

4. – 7. Lebenswoche: Der Prozess des Unabhängigwerdens beginnt in minimalen Schritten. Die kleinen Katzen können sich über kurze Strecken hin fortbewegen, entdecken die nächste Umgebung um das Nest. Ihre Milchzähne sind komplett, manche sind jetzt schon neugierig auf feste Nahrung. Sie entwickeln auch die Fähigkeit der Thermoregulation, also die eigene Körpertemperatur konstant zu halten unabhängig von der Außenwelt. Ab der 4. Lebenswoche sind Gehör- und Geruchssinn komplett entwickelt, ab der 5. komplexe Bewegungsabläufe möglich.

In dieser für die Katzenkinder sehr wichtigen Zeit findet ihre Sozialisierung statt. Sie fangen an die Welt auch sehen zu können, wobei sie erst nach der 7. Lebenswoche ein vollständig entwickeltes Sehvermögen haben. Sie lernen in dieser Zeit was sie selbst sind, mit ihren Geschwistern und der Mutter zu kommunizieren und wer Freund ist. Deswegen ist diese Phase so entscheidend für das weitere Leben einer Katze, denn alles was sie in dieser Zeit lernt, lernt sie fürs Leben! Zum Beispiel das der Mensch ein wichtiger und guter Sozialpartner ist, das es auch andere freundliche Tierarten gibt, das Staubsauger keine Monster sind und vieles mehr. Allerdings lernen Katzen dieses am besten gemeinsam mit ihren Geschwistern und der Mutter.

Auch das gemeinsame Spielen mit den Geschwistern ist elementar, die Katzen trainieren dabei nicht nur ihre jagdlichen Fähigkeiten, sondern auch ihre sozialen. Selbstkontrolle im Hinblick auf den Umgang mit Krallen du Zähnen ist ein weiterer wichtiger Punkt, den sie in diesem Lebensabschnitt lernen. Diese Phase wird die Sozialisationsphase genannt.

8. Lebenswoche: Ab der 8. Lebenswoche beginnt die juvenile (jungendliche) Lebensphase, sie geht bis zur Pubertät, die je nach Rasse zwischen dem 6- und 9. Lebensmonat beginnt. Die bis jetzt erworbenen Fähigkeiten werden im Spiel mit den Geschwistern weiter trainiert und ausgebaut. Katzen die bis zur 12. oder gar 16. Lebenswoche mit ihren Geschwistern und der Mutter zusammen das Leben erkunden können, werden sehr ausgeglichene und angstfreie Geschöpfe. Dies gilt natürlich nur sofern das gesamte Umfeld stimmt. Mit Beginn der 12. Lebenswoche werden die Katzen auch immer unabhängiger von ihrer Familie.

Je nach Rasse ist der ist eine Katze zwischen dem 8. Lebensmonat und dem 2. Lebensjahr ausgewachsen, mit 3 – 4 Jahren gelten sie psychisch und sozial als erwachsen.

Das richtige Abgabealter

Wenn man sich die eben geschilderten Entwicklungsstadien anguckt, dann ist klar, dass eine Katze vor der 12. Lebenswoche nicht umziehen sollte. Erst mit Beginn des totalen körperlichen und vor allem emotionalen Unabhängigwerdens, sollte ein Katzenkind vor die große Herausforderung des neuen Reviers und des Umzuges gestellt werden.

Daran halten sich alle seriösen Züchter und Tierschutzorganisationen. Einzige Ausnahme ist beim Tierschutz, wenn es sich um Handaufzuchten handelt, wenn keine Katzenmutter und Geschwister da sind.  Unter diesen Umständen und wenn eine altersmäßig passende Katze im neuen Heim lebt, kann ein Kitten schon etwas früher einziehen.

Am besten schauen Sie genau hin und fragen denjenigen, der Ihnen Katzenkinder anbietet so lange Löcher in den Bauch, bis alle Punkte zu Ihrer Zufriedenheit geklärt sind. Es ist auch immer gut, sich die Katzen vor Ort anzuschauen, sich das Umfeld in dem sie aufgewachsen sind, genau anzugucken.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema:

Vom Katzenbaby zur erwachsenen Katze von der Tierärztin Sabine Schroll

Aufzucht von Katzenbabys - Artikel von einer seriösen Züchterin

Weitere Artikel zu den Themen Impfung, Entwurmung und Bluttesten bei Katzenkindern finden Sie hier in den nächsten Monaten.

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© Katja Tuszynski 2009 – www.marcating.de

Quellen der Fotgrafien:

Bild 1 + 2 - www.wikipedia.de
Bild 3 - (c) Katja Tuszynski