Kastration?

Kastration ist für Tierfreunde ein wichtiges Thema, mit dem sich jeder gründlich auseinander setzen sollte. Die Kastration von Mensch und Tier an sich hat eine lange Geschichte. In der heutigen Zeit und in Bezug auf Katzen gibt es mehrere wichtige Gründe, warum sich der Mensch für eine Kastration entscheiden sollte, doch erst will ich genauer erläutern, was Kastration bedeutet.

Was ist eine Kastration?

Unter einer Kastration wird die vollständige operative Entfernung der Drüsen verstanden, die die Sexualhormone produzieren. Beim Kater sind das die Hoden, bei der Katze die Eierstöcke. Manche Tierärzte entfernen bei Katzen zusätzlich noch die Gebärmutter. Bei Katzen, die im jungen Alter kastriert werden, wird die Gebärmutter oft nicht entfernt - dies ist häufiger bei älteren Katzen der Fall.

Die Sexualhormone steuern bei Katzen den Sexualzyklus (Rolligkeit) und beim Kater sorgen sie für die Zeugungsfähigkeit (Samenproduktion) und ein ausgeprägteres Revierverhalten. Mehr über die Rolligkeit von Katzen finden Sie im Artikel Die Rolligkeit einer Katze.

Die Kastration ist bei Katern eine schnelle und sehr einfache Operation. Die Hodensäcke werden circa einen Zentimeter lang aufgeschnitten, die Hoden werden entfernt und die Samenstränge verschlossen. Dies unterscheidet sich je nach Operateur. Der eine Tierarzt bevorzugt eine Ligatur, also den Einsatz von Nahrmeterial. Es gibt aber auch Tierärzte, die den Samenstrang mit einer bestimmten Technik verknoten. Letztere Methode ist etwas schonender, da kein dem Körper fremdes Material (Faden) verwendet wird.

Bei Katzen ist die Kastration etwas komplizierter, da die Eierstöcke in der Bauchhöhle liegen. Hier wird die Bauchdecke geöffnet und die Eierstöcke werden entfernt. Der Eileiter wird abgebunden (siehe oben) oder auch mit einer elektronischen Pinzette verödet. Danach werden die Hautschichten wieder vernäht und die oberste Hautnaht wird nach rund zehn Tagen wieder entfernt.

Wichtig: Immer wieder werden die Begriffe Kastration und Sterilisation falsch verwendet. Bei beiden Geschlechtern erfolgt in der Regel eine Kastration, sprich die Entfernung der Keimdrüsen. Bei einer Sterilisation würden der Katze lediglich die Eileiter durchtrennt werden, die Eierstöcke werden nicht entfernt und prodizieren weiter Hormone - die Folge ist ein weiterhin bestehender Sexualzyklus ohne Zeugungsfähigkeit. Deswegen werden (und sollten auch nicht) heutzutage Sterilisationen bei Katzen nicht mehr durchgeführt!

Medizinische Gründe für eine Kastration

Wenn eine rollige Katze nicht gedeckt wird, wird sie immer wieder rollig werden. Die Rolligkeit wird von der Tageslichtdauer beeinflusst. Bei ungedeckten Katzen kann sich die Rolligkeit „verselbstständigen“ und es kann zu einer Dauerrolligkeit kommen. Bei Wohnungskatzen hat auch das elektrische Licht ebenfalls Einfluss auf den Zyklus der Katze, daher werden diese auch im Winter rollig.

Studien haben ergeben, dass die veränderte Hormonproduktion bei einer Dauerrolligkeit und auch generell bei unkastrierten Katzen wesentlich häufiger zu Gesäugetumoren oder Gebärmuttererkrankungen führt.

Studie über Gesäugetumore

Der zweite medizinische Grund liegt bei Katern als auch bei Katzen im Verhalten. Nicht kastrierte Tiere haben ein ausgeprägteres Revierverhalten, was verschiedene Folgen haben kann:

  • Harnmarkieren des potenten Katers – der Urin riecht sehr stark!
  • Harnmarkieren der potenten Katze
  • Unsauberkeit der Katze, da sie durch die Sexualhormone sehr gestresst ist
  • Störung der Gruppenharmonie bei mehreren Katzen
  • Gewichtsabnahme bei Katzen, mitunter sehr stark
  • Verhaltensveränderungen, da einzig die Fortpflanzung im Fokus liegt
  • Schreien und Rufen der Katzen um Kater anzulocken
  • andere Stressreaktionen


Dieses Verhalten betrifft sowohl Katzen die alleine beim Menschen leben, als auch Katzen die zu mehreren gehalten werden. Besonders schwierig kann es werden, wenn kastrierte und unkastrierte Katzen zusammenleben. Paul Leyhausen - der bekannte Verhaltensforscher - beschreibt eine gewisse Grundwertigkeit bei Katzen, in der die unkastrierten Tiere immer etwas „höher“ liegen. Seriöse Katzenzüchter lassen aus diesen medizinischen Gründen ihre älteren Katzen, die nicht mehr zur Zucht „verwendet“ werden, kastrieren.

Heutzutage sind Kastrationen von Katzen und Katern alltägliche Routineoperationen für jeden Tierarzt, die nur in den aller seltensten Fällen schwere Komplikationen mit sich bringen. Bedingung dafür ist es natürlich, dass man die Anweisungen des Tierarztes für die Zeit nach der Operation auch einhält.

Tierschutz – Gründe für eine Kastration

Aus der Perspektive unserer Tiere leben wir in einer schlechten Welt. In ganz Europa steigt die Katzenpopulation an. Das betrifft nicht nur die so genannten Straßen- und Bauernhofkatzen, sondern auch die ursprünglich als Hauskatze gehaltenen. Das rasante Ansteigen der Katzenzahlen in Tierheime unterstreicht das. Jede nicht kastrierte Katze kann ein bis mehrmals im Jahr durchschnittlich 3 Kitten pro Wurf zur Welt bringen. Das hat die Folge, dass frei lebende Katzengruppen (ausgesetzte Katzen, Straßenkatzen, Bauernhofkatzen, streunende Katzen) stetig größer werden. Einige Tierschutzvereine haben sich deswegen auch auf Kastrationsaktionen für diese „verwilderten“ Katzen spezialisiert.

Jeder Katzenhalter, der seine Samtpfote absichtlich oder aus Versehen decken lässt, „produziert“ weiteren Nachwuchs. Oftmals sind es gerade diese Katzen, die ausgesetzt oder in schlechte Hände vermittelt werden und dann später unsere Tierheime füllen. Es ist völlig natürlich, dass jeder Mensch seine Katze für die Schönste hält.

Auch der Wunsch, eine Geburt und die Aufzucht des Nachwuchses mit zu erleben ist absolut normal und verständlich. Trotzdem: jedes nicht gezeugte Kitten ermöglicht schon lebenden Katzen die Chance auf ein gutes Zuhause. Ebenfalls darf man natürlich die Risiken einer Schwangerschaft für die Mutterkatze auch nicht ausser acht lassen.

Es gibt keinen Grund, der gegen eine Kastration spricht. Dagegen viele – wie hier dargelegt – die dafür sprechen. Die Gesundheit unserer eigenen Katzen, der Blick auf die gesamte Katzenbevölkerung in Europa, das Streben nach besseren Lebensumständen für alle Katzen sind dem gegenüber sehr viele und wichtige Gründe.

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© Katja Tuszynski – www.marcating.de

© Foto: Katja Tuszynski