Artgerechte Haltung von Katzen

Man liest immer häufiger von der artgerechten Haltung von Katzen, ihr Ziel ist die Zufriedenheit und das Glück unserer Hauskatzen.

Man liest immer häufiger von der artgerechten Haltung von Katzen, ihr Ziel ist die Zufriedenheit und das Glück unserer Hauskatzen. Das Wort „artgerecht“ steht in diesem Zusammenhang für folgende Aspekte des Katzenlebens:

  • Haltungsbedingungen
  • Einzel- oder Gruppenhaltung
  • Umgang
  • Ernährung
  • Gesundheit

Nicht wenige Menschen – vor allem die, die nicht mit Katzen zusammen leben – sind der Meinung, dass einzig der unkontrollierte Freigang eine artgerechte Haltung von Katzen sei. Dem will ich an dieser Stelle und mit diesem Artikel widersprechen. Zu einer artgerechten Haltung zählen alle Aspekte eines Katzenlebens und unkontrollierter Freigang in einer risikoreichen Gegend verkürzt die Lebenserwartung der Katze um rund die Hälfte.

Studien haben gezeigt, dass Katzen in reiner Wohnungshaltung oder einem gesicherten Freigang inzwischen eine Lebenserwartung von durchschnittlich 15 Jahren haben, in Einzelfällen werden diese Katzen heutzutage durchaus auch 20 oder gar 25 Jahre alt. Dies liegt vor allem am geringeren Risiko als bei ungesichertem Freigang, aber auch an der guten Ernährung und einer regelmäßigen medizinischen Betreuung. Katzen aus dem ungesicherten Freigang haben dagegen nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von rund 8 Jahren. In den 80er Jahren wurden in Schweden und Frankreich Studien in freilaufenden Katzenpopulationen, die nicht vom Menschen versorgt wurden, durchgeführt. Diese Katzen hatten nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von 1,5 bis 4,2 Jahren.

Unsere Zivilisation, das Leben in Großstädten und Ballungszentren bringt auch für unsere Haustiere Veränderungen mit sich. Wir Menschen sind dadurch aufgefordert, über adäquate Alternativen zum ländlichen Leben im Einklang mit der Natur nachzudenken. Dies gilt in der Folge natürlich auch für eine artgerechte Haltung von Hunden und Katzen vor allem in den menschlichen Ballungsgebieten. Denn wenn nur Menschen auf dem Lande Tiere halten dürften, müssten wir die Zahl der Tierheime vervielfachen. Aus diesem Grund ist es meines Erachtens nach sehr wichtig, sich mit der Frage nach dem Artgerechten für Katzen intensiv auseinanderzusetzen.

Laut dem deutschen Tierschutzgesetz (TSchG) vom 18. Mai 2006 heißt es:

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1.    muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
2.    darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
3.    muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

In meinen Augen wird das in puncto Haustierhaltung in Deutschland viel zu wenig beachtet.

Was ist artgerechte Haltung?

Es gibt drei verschiedene Haltungsbedingungen von Hauskatzen:

Wohnungshaltung: Die Katze lebt nur in der Wohnung, eventuell steht ihr ein gesicherter Balkon zur Verfügung. In Großstädten ist eine andere Haltung als diese aufgrund der gefährlichen Umgebung nicht möglich. Doch auch eine reine Wohnungshaltung kann man artgerecht gestalten. Mehrmaliges gemeinsames Spielen pro Tag, wobei die Katze sich richtig austoben und auspowern soll, verschafft ihr ein ähnliches Maß an Bewegung wie Freigang. Die Wohnungseinrichtung sollte auch auf die Bedürfnisse der Katze eingehen: Verschiedene Klettermöglichkeiten, ein Catwalk in luftiger Höhe und viele Kuschelplätze sind wichtig. Außerdem sollte der Mensch zusätzlich noch den Alttag – neben der für die Katze elementaren Routine – regelmäßig abwechslungsreich gestalten. Indem man ihr immer wieder kleine neue Gegenstände mitbringt, mit Kartons alle paar Tage die Wohnung umdekoriert und vor allem artgerecht mit ihr umgeht, kann man für einige Abwechslung sorgen. Zum Schutz der Katze sollten Fenster und Balkon katzensicher gemacht werden, Stürze aus großer Höhe und das Kippfenster-Syndrom sollten unbedingt vermieden werden. Die meisten Katzen lieben „ihren“ Balkon, vor allem wenn er katzengerecht gestaltet ist.

Gesicherter Freigang: Die Katze kann neben der Wohnung oder dem Haus auch den Garten oder ein Freigehege frei nutzen. Ein gesicherter Garten ist ein Garten, den die Katze aufgrund eines katzensicheren Zaunes oder ähnlichem nicht verlassen kann. In meinen Augen ist es die optimalste Katzenhaltung, doch vor allem in Großstädten hat leider nicht jeder Mensch einen Garten. Der Garten oder das Freigehege können mit einfachen Mitteln für die Katze sehr interessant gestaltet werden. Naturstämme aus dem Wald, Outdoor-Kratzbäume, kleine Höhlen oder (katzensichere!) Teiche sind aus Katzenperspektive wunderbare Tummelplätze.

Ungesicherter Freigang: Die Katze kann sich überall hin frei bewegen, auch über den Gartenzaun hinweg. Wie oben schon erwähnt ist diese Haltungsform – was die Lebenserwartung der Katze betrifft – die risikoreichste. Oftmals kommen Freigängerkatzen auch mehrere Tage hintereinander nicht nach Hause und zurück bleibt der Mensch, der sich große Sorgen macht. Die Gefahren für Freigängerkatzen in unseren Breitengraden sind mannigfaltig. Es ist sehr wichtig, feste Fütterungsroutinen und für die Katze damit verbundene Geräusche (zum Beispiel Klappern mit der Leckerlidose) zu etablieren, das erhöht die Chance, dass die Katze regelmäßig nach Hause kommt. Auch bei dieser Haltungsform ist ein artgerechter Umgang mit der Katze wichtig. Außerdem - je mehr man feste Zeiten mit der Katze verbringt und ihr Aufmerksamkeit und Zuwendung schenkt, desto enger bindet sich die Freigängerkatze an den Menschen.

Katzen sind keine Einzelgänger

„Katzen sind Einzelgänger“ ist ein viel zitierter Satz, doch er ist falsch. Katzen sind Einzeljäger, aber keine Einzelgänger. Im Gegenteil, Katzen sind sehr gesellige Tiere mit einer ausgefeilten Diplomatie. Katzenpopulationen, die wild leben, schließen sich fast immer in Gruppen zusammen.

Natürlich gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen, es gibt Einzelgängerkatzen. Doch in den meisten Fällen wurden sie durch uns Menschen zum Einzelgänger gemacht. Katzen, die zu früh von Mutter und Geschwistern getrennt wurden – sie sollten frühestens ab der 12. Lebenswoche getrennt werden – fehlen oftmals wichtige soziale Umgangsformen, die sie mit ihren Geschwistern zusammen gelernt hätten. Katzen, die schon eine längere Zeit einzeln gehalten werden, „verlernen“ die Kontaktfähigkeit zu anderen Katzen. Leider leben in Deutschland rund 69% aller Katzen in Einzelhaltung, nur 24% teilen sich ihr Leben mit einer anderen Katze und bedauerlicherweise nur rund 7% leben mit mehreren Katzen zusammen.

Allerdings muss man bei der Vergesellschaftung von mehreren Katzen auch auf einiges achten. Nicht jede Katze passt zu jeder Katze, Katzen müssen sich nicht zwangsläufig verstehen, nur weil beide Katzen sind. Alter, Geschlecht und Charakter, manchmal auch die Rasse, sind wichtige Faktoren, die zusammenpassen müssen. Eine Seniorkatze wäre mit einem Kitten völlig überfordert, in so einem Fall ist es besser, zwei Kitten einziehen zu lassen. Zwei dominante Katzen könnten zu ewigen Streithähnen werden, aber andererseits würde eine sehr dominante Katze eine ängstliche Katze möglicherweise unterbuttern. Dies sind nur drei mögliche Beispiele, eine sorgfältige Wahl ist für die Vergesellschaftung sehr wichtig.

Im folgenden Artikel finden Sie einige Informationen über die richtige Wahl und das Zusammenführen von Katzen:

Zusammenführung von Katzen

Fazit: Einzelhaltung ist für Katzen nicht artgerecht; es sind gesellige Tiere, die die Gesellschaft von anderen Katzen brauchen und genießen.

Artgerechte Haltung bedeutet auch artgerechter Umgang

Katzen sind Katzen und keine Kinder oder menschenähnliche Wesen. Wir neigen häufig dazu, das Verhalten von Katzen zu vermenschlichen, doch damit tun wir ihnen nichts Gutes. Es liegt an uns, die Sprache und das grundsätzliche Wesen der Katzen zu erlernen und zu verstehen, damit wir artgerecht mit ihnen umgehen können. Katzen sind wundervolle Wesen und wenn wir unser Leben mit Katzen teilen, entdecken wir eine spannende Welt, nämlich die Welt aus der Sicht unserer Katzen.

Für unsere Katzen sind wir in der Regel eine sehr große Katze, oftmals bauen sie zu uns eine ähnliche Beziehung wie zu ihrer Mutterkatze auf. Wir versorgen sie mit Essen, wir sind Spielkamerad und verwöhnen sie mit Schmuseeinheiten, im Grunde stehen wir ihnen für alle ihre Belange fast immer zur Verfügung. Ihr Verhalten uns gegenüber ist das angeborene Katzenverhalten; wenn wir dieses Verhalten katzentypisch beantworten, können keine Missverständnisse entstehen. Das bedeutet nicht, dass wir uns nur in Miau-Lauten ihnen gegenüber artikulieren sollen, Katzen lernen auch sehr schnell unsere Töne und Worte zu verstehen, es bedeutet aber, unsere Katzen nicht mit falschen Erwartungen zu überfordern oder eben ihre Verhaltensweisen zu vermenschlichen. Die auf Verhaltensmedizin spezialisierte Tierärztin Sabine Schroll brachte es mit dem Satz „Think Cat“ auf den Punkt. Ihre beiden Bücher zum Thema Katzenhaltung sind sehr zu empfehlen, um genau dieses zu lernen:

Miez, miez - na komm! Artgerechte Katzenhaltung in der Wohnung

Aller guten Katzen sind . . .? Der Mehrkatzen-Haushalt

Ein nicht artgerechter Umgang mit unseren Katzen kann zu Verhaltensauffälligkeiten wie zum Beispiel Unsauberkeit, Depression oder Vereinsamung führen.

Artgerechte Ernährung von Katzen

Zoologen weltweit ernähren die ihnen anvertrauten Großkatzen artgerecht, indem sie sie barfen. BARF steht für Biologisch Artgerechte RohFütterung. Katzen sind Fleischfresser, das bedeutet, je größer der Fleischanteil ihrer Nahrung ist, desto artgerechter ist sie. Das gesamte Verdauungssystem von Katzen ist auf die Verarbeitung von Fleisch ausgerichtet, allzu viel Getreide oder minderwertige Proteine können die Verdauung unnötig belasten oder gar zu Verdauungsstörungen führen.

Doch nicht jedem ist es möglich, seine Katzen mit rohem Fleisch und den dazugehörenden Supplementen zu ernähren. Aber das zunehmende Bewusstsein von uns Katzenfreunden hinsichtlich einer gesunden und artgerechten Ernährung für unsere Katzen hat bei der Futterindustrie dazu geführt, dass man inzwischen auch ein breites Angebot an hochwertigen Futtersorten kaufen kann.

In unserem Katzenratgeber finden Sie viele Informationen über die Ernährung von Katzen:

Katzenratgeber Ernährung

Wir haben die Verantwortung für die Gesundheit unserer Katzen

Mit dem Einzug einer Katze haben wir Menschen neben der Ernährung, der artgerechten Haltung und einem adäquaten Umgang mit der Katze, noch eine weitere Pflicht übernommen: Ihre Gesundheit. Es liegt an uns, unsere Wohnung katzensicher zu gestalten, damit unsere Katzen keinen gesundheitlichen Schaden erleiden, zum Beispiel durch Gefahrenquellen im Haushalt:

Gefahrenquellen für Katzen

Katzen sind Meister im Verstecken von Beschwerden und Schmerzen, deswegen müssen wir ihr Verhalten genau beobachten und im Zweifel einen Tierarzt oder einen Tierheilpraktiker aufsuchen, um Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Wir tragen die volle Verantwortung für die Gesundheit unserer Katzen. Damit ein Tierarztbesuch für die Katze nicht zur unnötigen Qual wird, Sie als ihr Mensch auch verstehen, was der Tierarzt sagt und damit die richtigen Entscheidungen treffen können, haben wir im folgenden Artikel eine Art Checkliste zusammengetragen:

Tierarztbesuch – am Besten gut vorbereiten!

Als erfahrener Katzenhalter kann man auch einige kleinere Wehwehchen selbst behandeln, die Betonung liegt allerdings auf "erfahren".

Hausapotheke für Katzen

Vorsorge- und Pflegetipps für Katzen

Letztendlich hat Gesundheit auch etwas mit Ernährung zu tun. Es gibt einige Erkrankungen – vor allem im Alter –, die durch eine schlechte Ernährung verursacht werden können.

Ziel der artgerechten Haltung: Eine glückliche Katze

Eine glückliche und zufriedene Katze, das ist unser aller Ziel. Und wir können einiges dafür tun: Vor allem die Katze Katze sein lassen und sie nach Strich und Faden zu verwöhnen und zu lieben. Neben den im Artikel verlinkten Beiträgen finden Sie noch viele weitere interessante Themen rund um die Katze - zum Beispiel „Kratzmarkieren“ oder „Wenn Katzen alt werden“ - in unserem Katzenratgeber:

Katzenratgeber

Außerdem stehen wir Ihnen in unserem Forum auch gerne mit Rat und Tat oder einfach nur zum Plaudern zur Verfügung: Forum von Petsnature


© Katja Tuszynski 2011 – www.marcating.de

Quellen Fotos: Katja Tuszynski