Die Qual der Wahl bei Kratzbäumen

Jeder, der sein Leben mit Katzen teilt, muss sich aus zwei Gründen zwangsläufig mit dem Thema Kratzbaum auseinandersetzen. Zum einen ist Kratzmarkieren eines der Kommunikationsmittel der Katzen, zum anderen lieben Katzen die so genannte dritte Dimension.

Kratzmarkieren: Unsere Katzen kommunizieren in erster Linie über Gerüche, ihr Riechvermögen ist ungleich größer als unseres. Ihr eigenes Revier muss für sie nach ihnen riechen, aus diesem Grund verteilen sie überall in unseren Wohnungen und im Garten ihre Geruchsbotschaften, ihre Pheromone.

Was sind Pheromone?

Die Pheromone werden von speziellen Drüsen produziert, die an den Vorderpfoten, an den Lefzen und am Rücken der Katze verteilt sind. Indem sie mit ihren Vorderpfoten an Gegenständen wie Bäumen, Möbeln, Tapeten und Teppichen kratzt, setzt sie eine Duftbotschaft für alle anderen Lebewesen und auch für ihr eigenes Wohlgefühl frei.

Dritte Dimension: Katzen nehmen einen Raum nicht wie wir Menschen nur in Höhe, Breite und Tiefe war, für sie existiert auch eine weitere Dimension. Jede Schrankfläche, die sie erklettern können, jedes andere für sie nutzbare Möbelstück vergrößert ihre Wohnfläche und sie bewegen sich gerne in luftiger Höhe im Raum.

Kratzbäume erhöhen die artgerechte Gestaltung des Lebensraumes einer Katze in der Wohnung. Gehen Sie aber bitte nicht davon aus, dass ihre Katze, nur weil Sie ihr einen Kratzbaum hinstellen, sämtliches Kratzen an anderen Orten unterlässt. Katzen kratzmarkieren auf allen ihren Wegen; von Schlafplatz eins zu Schlafplatz zwei, vom Klo zum Essplatz - ihre gesamte Wohnung ist in Wege Ihrer Katze/n eingeteilt und mit etwas Zeit kann man diese Wege ganz genau beobachten. Jede markante Stelle auf diesen Wegen wie die Sofaecke oder ein Wandvorsprung ist für die Katzen wie eine Art Litfasssäule, an denen sie ihre Duftbotschaft für andere hinterlässt.

Welcher Kratzbaum ist sinnvoll?

Die Antwort gibt Ihnen Ihre Katze. Es gibt Kratzbäume, die mehr auf Spielen und Toben ausgerichtet sind, andere bieten viel Platz zum Dösen und Kuscheln, viele auch beides. Generell kann man sagen, je höher und je vielfältiger ein Kratzbaum ist, desto mehr kann er Ihrer Katze bieten. Trotzdem gibt es einiges dabei zu beachten:

Stabilität: Ein Kratzbaum, der nur auf einer Säule fußt, kann nie so stabil sein wie einer, der auf vier Säulen steht, selbst wenn der einbeinige unten auf einer Höhle steht. Der Aufbau eines Kratzbaumes unterliegt da den gleichen physikalischen Gesetzen wie der eines Hauses. Deswegen sollten Bäume, die nur eine tragende Säule haben immer an mindestens einem Punkt an der Wand befestigt werden, denn eine den Stamm hochsprintende Katze setzt ganz schöne Schwingkräfte frei.

Das gleiche gilt auch für Kratzbäume, die auf zwei Säulen stehen, da sich hier das Gewicht nur auf einer Linie verteilt. Standsicherer sind deswegen Bäume, die auf drei oder vier Säulen aufbauen, dort verteilen sich die Kräfte bei schwungvoller Nutzung durch Ihre Katze sehr viel sicherer.

Ergonomie: Der zweite wesentliche Punkt hängt mit den Bewegungsmustern einer Katze zusammen. Katzen können sehr gut senkrecht nach oben klettern, wenn sie aufgrund des Materials ihre Krallen dabei nutzen können. Abwärts können sie sie aber nicht mehr nutzen, da die Krallen sichelförmig gebogen sind. Für einen Kratzbaum bedeutet das, dass auf verschiedenen Ebenen Platz für einen Zwischenstopp gegeben sein muss. Die verschiedenen Ebenen dürfen dabei aber auch nicht zu eng zusammen stehen.

Qualität: Der durchschnittliche preiswerte Kratzbaum besteht aus mit Sisal umwickelten Papprollen, in denen oben und unten ein Plastikstück mit einem Metallgewinde eingeklebt und/oder getackert ist. Genau da liegen auch die Schwachstellen dieser Bäume, denn bei einer regelmäßigen schwungvollen Nutzung der Stämme durch die Katze sorgen die dabei entstehenden physikalischen Kräfte für ein schnelles „Ausleiern“ bis hin zum Herausbrechen der Plastikeinlagen. Die durchschnittliche Haltbarkeit solcher Bäume bei einer regelmäßigen Nutzung liegt bei einem Jahr, dann fangen in der Regel einzelne Teile an zu wackeln. Oftmals ist das angeklebte Sisal inzwischen auch unschön geworden. Höherwertige Qualität und somit auch Sicherheit bieten dagegen Vollholzsäulen oder gar Naturstämme. Aber auch in der stofflichen Bespannung der Liegeflächen gibt es große qualitative Unterschiede; von Plüsch bis zu hochwertigen Teppich ist alles möglich.

Wenn man mit mehreren Katzen zusammen lebt oder es sich um reine Wohnungskatzen handelt, sollte man in jedem von den Katzen genutzten Raum für Klettermöglichkeiten sorgen. Manch alte Katze nutzt sie als Aufstiegsmöglichkeit auf die warme Heizung, sie können ein beliebter Ausguck in Fensternähe sein, für körperliche Herausforderungen bei rasanten Verfolgungsjagden dienen oder einen ruhigen Rückzugsplatz bieten - Kratzbäume erweitern die Raumausnutzung ungemein.

Selbstgemachte Kratzbäume

Man kann mit wenig Geld und viel Phantasie natürlich auch selber Klettermöglichkeiten schaffen, die einfachste Variante ist eine Kletterwand. Dazu brauchen Sie:

  • ca. 2 m hohen und beliebig breiten Kokosteppich
  • Regalbretter
  • Teppichreste
  • Winkeleisen

Der Kokosteppich wird an einer freien Wand festgeklebt und mit Schrauben und Unterlegscheiben bombensicher befestigt. Die Regalbretter werden mit Teppichresten beklebt, so kann eine Katze auf dem glatten Material nicht abrutschen. Diese Regalbretter werden nun versetzt in verschiedenen Höhen mittels Winkeleisen an der Wand befestigt und fertig ist die Kletterwand. Sie kann nach Belieben mit Liegemulden und Hängematten – gibt’s auch einzeln zu kaufen – ergänzt werden.


Eine andere Erweiterung kann eine mit Sisal – gibt’s preiswert bei Ebay – umwickelte Holzsäule in beliebiger Höhe sein, wie eingangs schon erwähnt, Ihrer Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Hier finden Sie drei weitere Anleitungen für Kratzbäume Marke Eigenbau:

Anleitung I

Anleitung II

Anleitung III

In unserem Forum stehen wir Ihnen gerne mit unserem Rat zur Seite: Forum von Petsnature


© Katja Tuszynski 2009 – www.marcating.de

Fotoquellen - Vielen Dank für die Überlassung der Biilder!

Bild 1 - Petra

Bild 2 - Petra

Bild 3 + 4 + 5 - Birgit D.