Kastration?

Kastration ist für Tierfreunde ein wichtiges Thema, mit dem sich jeder gründlich auseinandersetzen sollte. Die Kastration von Mensch und Tier an sich hat eine lange Geschichte, wer sich einlesen mag, findet bei Wikipedia so einiges:

Wikipedia über die Geschichte der Kastration

In der heutigen Zeit und in Bezug auf Katzen gibt es mehrere wichtige Gründe, warum sich der Mensch für eine Kastration entscheiden sollte, doch erst will ich genauer erläutern, was Kastration bedeutet.

Was ist eine Kastration?

Unter einer Kastration wird die vollständige operative Entfernung der Drüsen verstanden, die die Sexualhormone produzieren. Beim Kater sind das die Hoden, bei der Katze die Eierstöcke. Manche Tierärzte entfernen bei Katzen zusätzlich noch die Gebärmutter.

Die Sexualhormone steuern bei Katzen den Sexualzyklus (Rolligkeit) und beim Kater sorgen sie für die Zeugungsfähigkeit (Samenproduktion) und ein ausgeprägteres Revierverhalten. Mehr über die Rolligkeit von Katzen finden Sie in meinem Artikel:

Die Rolligkeit einer Katze

Die Kastration ist bei Katern eine simple Operation, die Hodensäcke werden ca. 1 cm lang aufgeschnitten, die Hoden selbst entfernt und die Samenstränge verschlossen. Bei Katzen ist sie etwas komplizierter, da die Eierstöcke in der Bauchhöhle liegen.

Wichtig: Bitte nicht Kastration mit Sterilisation verwechseln. Bei einer Sterilisation würden der Katze lediglich die Eileiter durchtrennt werden, die Folge ist ein weiterhin bestehender Sexualzyklus ohne Zeugungsfähigkeit. Deswegen werden (und sollten auch nicht) heutzutage Sterilisationen bei Katzen nicht mehr durchgeführt!

Medizinische Gründe für eine Kastration

Wenn eine rollige Katze nicht gedeckt wird, wird sie, solange es draußen länger hell ist, immer wieder rollig werden. Die Rolligkeit wird von der Tageslichtdauer beeinflusst. Bei ungedeckten Katzen kann sich die Rolligkeit „verselbstständigen“ und zu einer Dauerrolligkeit führen. Bei Wohnungskatzen kann das elektrische Licht auch in der Winterzeit zur Rolligkeit und Dauerrolligkeit führen.

Studien haben ergeben, dass die veränderte Hormonproduktion bei einer Dauerrolligkeit und auch generell bei unkastrierten Katzen wesentlich häufiger zu einem Gesäugekrebs oder Gebärmuttererkrankungen führt.

Studie über Gesäugetumore

Der zweite medizinische Grund liegt sowohl bei Katern, als auch bei Katzen im Verhalten. Nicht kastrierte Tiere haben ein ausgeprägteres Revierverhalten, was verschiedene Folgen haben kann:

  • Harnmarkieren des potenten Katers – der Urin riecht sehr stark!
  • Harnmarkieren der potenten Katze
  • Unsauberkeit der Katze, da sie durch die Sexualhormone sehr gestresst ist
  • Störung der Gruppenharmonie bei mehreren Katzen
  • Gewichtsabnahme bei Katzen, mitunter sehr stark
  • Verhaltensveränderungen, da einzig die Fortpflanzung im Fokus liegt
  • Schreien und Rufen der Katzen, um Kater anzulocken
  • andere Stressreaktionen


Dieses andere Verhalten betrifft sowohl Katzen, die alleine beim Menschen leben, als auch Katzen, die zu mehreren gehalten werden. Besonders schwierig kann es werden, wenn kastrierte und unkastrierte Katzen zusammenleben. Paul Leyhausen – der bekannte Verhaltensforscher – beschreibt eine gewisse Grundwertigkeit bei Katzen, in der die unkastrierten Tiere immer etwas „höher“ liegen.

Seriöse Katzenzüchter lassen deswegen aus diesen medizinischen Gründen ihre älteren Katzen, die nicht mehr zur Zucht „verwendet“ werden, kastrieren.

Heutzutage ist für einen gut besuchten Tierarzt eine Kastration eine absolute Routineoperation, die nur in den aller seltensten Fällen schwere Komplikationen mit sich bringt. Bedingung dafür ist es natürlich, dass man die Anweisungen des Tierarztes für die Zeit nach der Operation auch einhält.

Tierschutz – Gründe für eine Kastration

Aus der Perspektive unserer Tiere leben wir in einer schlechten Welt. In ganz Europa steigt die Katzenpopulation an. Das betrifft nicht nur die so genannten Straßen- und Bauernhofkatzen, sondern auch die ursprünglich als Hauskatze gehaltenen. Das rasante Ansteigen der Katzenzahlen in Tierheimen unterstreicht dieses.

Jede nicht kastrierte Katze kann ein- bis mehrmals im Jahr durchschnittlich 3 Kitten pro Wurf zur Welt bringen. Das hat die Folge, dass frei lebende Katzengruppen (ausgesetzte Katzen, Straßenkatzen, Bauernhofkatzen, streunende Katzen u. a.) stetig größer werden. Einige Tierschutzvereine haben sich deswegen auch aus Kastrationsaktionen dieser „verwilderten“ Katzen spezialisiert.

Jeder Katzenhalter, der nun seine freilaufende oder seine Wohnungskatze absichtlich oder aus Versehen decken lässt, „produziert“ weiteren „unerwünschten“ Nachwuchs, denn oftmals sind es gerade diese Katzen, die ausgesetzt oder in schlechte Hände vermittelt werden oder unsere Tierheime füllen.

Es ist völlig natürlich, dass jeder Mensch seine Katze für die Schönste hält. Auch der Wunsch, eine Geburt und die Aufzucht des Nachwuchses mitzuerleben, ist absolut normal und verständlich. Dennoch vermindert jedes Kitten, das nicht gezeugt und geboren wird, das Leid der schon lebenden und unglücklichen Katze, die im Tierheim ihr Dasein fristet oder gar auf der Strasse ums Überleben kämpft.

Ich persönlich kenne keinen Grund, der gegen eine Kastration spricht, dagegen viele – wir hier dargelegt –, die dafür sprechen. Die Gesundheit unserer eigenen Katzen – körperlich wie geistig – und bei einem Blick auf die gesamte Katzenbevölkerung in Europa, das Streben nach besseren Lebensumständen für alle Katzen sind demgegenüber sehr viele und wichtige Gründe.

Falls Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, laden wir Sie herzlich in unser Forum ein: Forum von Petsnature

 


© Katja Tuszynski – www.marcating.de

© Foto: Katja Tuszynski