Giardien bei Katzen

Wer viel im Internet unterwegs ist und regelmäßig in Katzenforen liest, der weiß, "Giardien" ist keine einfache Diagnose. Man liest von der Hartnäckigkeit dieser Parasiten, vom Hygieneaufwand, der betrieben werden muss und der hohen Ansteckungsgefahr für Mensch und andere Tiere. Mit diesem Artikel will ich versuchen, das ganze Thema zu durchleuchten und die vorherrschenden Ängste zu vertreiben. Beginnen wir mit einem Blick auf die medizinischen Fakten:

Was sind Giardien?

Giardien gehören zu der Gattung Protozoen (tierische Einzeller) und sind mikroskopisch kleine Dünndarm–Parasiten. Sie besiedeln weltweit alle möglichen Tierarten, auch der Mensch kann sich anstecken. Sie heften sich mit einer „Bauchhaftscheibe“ an die Darmwand oder bewegen sich frei zwischen den Darmzotten, vermehren sich millionenfach auf der Oberfläche der Darmschleimhaut und ernähren sich vom Darminhalt.

Man unterscheidet bei Giardien zwei unterschiedliche Stadien:

Trophozoiten
In dieser Phase haben sie keine schützende Zyste um sich, sie fressen und teilen sich, um sich zu vermehren. Sie sterben an der Luft innerhalb von Sekunden ab.

Giardiacysten
In dieser Phase haben sie sich mit einer schützenden Hülle versehen, bei geeigneten Umweltbedingungen überleben sie so monatelang außerhalb eines Wirtskörpers.

Beide Formen werden über den Kot ausgeschieden. Außerhalb des Wirtskörpers bleiben Giardien in feuchten Böden 7 Wochen lebensfähig, im 4° C kalten Wasser bis zu drei Monaten. In den USA wurden 2002 in einer Rohwasseruntersuchung in 80 % aller Proben Giardien nachgewiesen.

Ansteckungswege

Giardien werden über kontaminiertes Wasser und Futter sowie Schmierinfektionen übertragen. Da diese Parasiten recht resistent sind, muss in der Trinkwasseraufbereitung Ultrafiltration (Filtern durch eine besondere Membran) eingesetzt werden. Chlor und Ultraviolettstrahlung reichen nicht aus. Das gleiche gilt auch für die handelsüblichen Putzmittel, die wir zu Hause verwenden; die Giardien sind resistent.

Die Ansteckung kann über Trinken von kontaminiertem Wasser (z. B. Seen, aber auch Wassernapf zu Hause, wenn ein besiedeltes Tier daraus getrunken hat), Essen von kontaminiertem Futter (z. B. Fliegen gelten als Überträger, Futter wurde mit kontaminiertem Wasser gewaschen oder versetzt) oder durch Schmierinfektionen (z. B. Schnüffeln am Hinterteil an dem sich Kotreste befinden, Katzenklo, gegenseitiges Putzen und Schmusen) erfolgen. Giardien gehören zu den am häufigsten nachgewiesenen Parasiten bei Katzen.



Symptome bei einer Giardiose

Die nachfolgend beschriebenen Symptome können bei einem Giardienbefall auftreten, müssen aber nicht. Viele Menschen und Tiere beherbergen Giardien im Darm, ohne sich krank zu fühlen, sie scheiden lediglich den Parasiten mit ihrem Kot aus. Da auch andere Parasiten oder Erkrankungen die gleichen Symptome verursachen können, sollte vor einer Behandlung gegen Giardien diese immer erst in einer Kotprobe nachgewiesen werden.

Sowohl das Anheften an die Darmschleimhaut, als auch der von Giardien produzierte Giftstoff können folgende Symptome verursachen:

  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • stark stinkender Kot
  • Blut im Kot
  • Fieber

Vor allem bei Jungtieren, chronisch kranken sowie alten Katzen führt eine Giardiose zu leichten oder heftigen Symptomen, da bei den einen das Immunsystem noch nicht voll ausgeprägt ist und bei den anderen es durch Alter oder andere Krankheiten geschwächt ist.

Diagnose mittels Kotuntersuchung

Es gibt zwei verschiedene Testverfahren, für die eine benötigt man relativ frischen und nicht mit Streu behafteten Kot, für die andere eine Sammelprobe mit Kot von mehreren Tagen. Fragen Sie Ihren Tierarzt, mit welcher Methode er untersucht und wie die Kotprobe genau gehandhabt werden soll. Röhrchen gibt es in jeder Apotheke.

Klassische Behandlung von Giardien

In der Schulmedizin kennt man zwei Mittel, eines ist ein breit wirkendes Wurmmittel, das andere ein spezielles Antibiotikum:

Wirkstoff: Fenbendazol (z. B.  Panacur) – Wurmmittel

Wirkstoff: Metronidazol (z. B. Clont oder Flagyl) – Antibiotikum

Die Medikamente werden in mehreren Intervallen gegeben, da Giardien die Fähigkeit haben, sich in die Galle zurückzuziehen. Außerdem werden alle im Haus lebenden Tiere – auch wenn sie symptomfrei sind - mitbehandelt um gegenseitige Neuinfizierungen zu vermeiden.

Weil Metronidazol sehr bitter schmeckt, nicht zerbröselt werden soll und viele Katzen unter diesem Medikament sehr speicheln, ist Panacur (Fenbendazol) für Katzen die angenehmere Alternative. Letztlich sind jedoch beide Medikamente nebenwirkungsreich, Übelkeit und Durchfall treten nicht selten auf. Am besten erfolgt nach der Medikamentenphase eine Darmsanierung mit geeigneten Mitteln, da bei diesen Mitteln die gesamte Darmflora angegriffen wird.

Bei stark erkrankten und sehr geschwächten Katzen sollten noch weitere, die Symptome behandelnde Medikamente eingesetzt werden, damit es Ihrer Katze schnell besser geht.

Leider haben Giardien teilweise eine Resistenz gegen diese Mittel entwickelt beziehungsweise sind die Medikamente nicht immer 100 %ig wirksam. Viele infizierte und erkrankte Tiere leiden deswegen an einer chronischen Giardiose. Aus diesem Grund – und weil die Behandlungsmethoden verträglicher sind - werden inzwischen immer öfter Wege der alternativen Medizin erfolgreich eingesetzt.

Alternative Behandlungen von Giardien

Zwei erfolgreiche alternative Behandlungswege haben sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert. Der eine ist ein homöopathischer Weg, der andere erfolgt mit kolloidalem Silber. Eine gesunde Katze mit einem intakten Immunsystem wird in der Regel ohne Medikamente mit einer Giardiose fertig. Aus diesem Grund wird in der alternativen Medizin auch nur die erkrankte Katze und nicht alle anderen im Haushalt lebenden Tiere behandelt.

Homöopathie bei Giardien: Homöopathisch werden bei Giardien zwei verschiedene Mittel eingesetzt. Das eine stärkt das Immunsystem, ist eine konstitutionelle Behandlung, das andere „vertreibt“ die Giardien.

Wichtig: Homöopathie kann nur dann wirken, wenn das Arzneimittelbild genau zu dem Tier und den Symptomen passt - man kann kein homöopathisches Medikament für eine bestimmte Krankheit geben - immer nur für ein bestimmtes, erkranktes Tier mit seinen speziellen Symptomen. Aus diesem Grund sollte im Falle einer Giardiose immer ein Fachmann – Tierheilpraktiker – die passenden Mittel für Ihre Katze bestimmen.

Kolloidales Silber bei Giardien: Kolloidalem Silber wird die Fähigkeit nachgesagt, wie ein „natürliches Antibiotikum“ zu wirken und verschiedene Erreger und Parasiten bekämpfen zu können.

Heilpraktiker über kolloidales Silber

Wikipedia über kolloidales Silber

Wer sich für diesen Weg interessiert, dem empfehle ich auch, keine eigenen Wege zu gehen, sondern sich einen Tierheilpraktiker zu suchen, der sich mit kolloidalem Silber auskennt.

Fütterung bei einer Giardiose

Solange ein akuter Durchfall und weitere damit zusammenhängende Beschwerden auftreten, ist Schonkost, um den Darm zu entlasten, der beste Weg:

Schonkost für Katzen bei Durchfall

Wenn sich die Verdauung normalisiert hat, kann wieder normales Futter, das kohlehydratfrei (z. B. Getreide) ist, gegeben werden. Giardien ernähren sich bevorzugt von dem Kohlhydratanteil des Darminhaltes. Aus diesem Grund sollte man Trockenfutter während dieser Zeit meiden.

Hygiene bei einer Giardiose

Ihre an Giardien erkrankte Katze scheidet mit jedem Klogang die länger lebensfähigen Giardienzysten aus. Durch kleinste Kotreste, die an ihrem After kleben, können die Giardien sich auch an ihren bevorzugten Liegeplätzen verteilen. Das sind – neben der oben beschriebenen Erkenntnis, dass die Giardien gegen die meisten Putzmittel resistent sind – die Fakten, mit denen wir uns bei der Hygiene auseinandersetzen müssen, allerdings sterben die Zysten ab einer Temperatur von 70° C ab. Andererseits können Giardien nur durch eine orale Aufnahme erneute Infektionen hervorrufen und aufgrund der längeren Zeitspanne der Gabe der schulmedizinischen oder alternativen Medikamente sind die Katzen während dieser Zeit vor einer Reinfektion relativ sicher.

Eine verstärkte Hygiene macht im Falle einer Giardiose durchaus Sinn, aber ich versuche mit meinen Worten, einem Sie und Ihre Katzen stressenden Putzwahn vorzubeugen. Niemand kann auf dieser Welt in einer normalen Wohnung oder einem normalen Haus keimfrei leben. Überall tummeln sich Erreger, Pilzsporen und Kleinstlebewesen. Egal, wieviel Sie putzen, Sie werden es nicht schaffen, jede einzelne Giardienzyste oder andere Erreger zu vernichten.

Zitat: Um andere Lebewesen (u. a. auch Menschen) zu befallen, umgeben sich jeweils zwei Giardien mit einer schützenden Hülle und lassen sich über den Kot ausscheiden. Durch die Hülle sind sie tage- bis wochenlang geschützt, bevor sie vom neuen Wirt über verschmutztes Wasser oder Nahrungsmittel aufgenommen werden. Die infektiösen Parasiten bleiben in feuchten Böden bis zu sieben Wochen infektiös, in kühlem Wasser (4 °C) bis zu drei Monaten, wobei sie unter optimalen Bedingungen sogar mehrere Monate lebensfähig bleiben können.


Quelle: Wikipedia – Giardien

Deswegen halte ich persönlich folgende Hygienemaßnahmen für sinnvoll:

Wassernäpfe: Täglich mit frischem Wasser befüllen und vorher heiß (Dampfgerät oder auskochen) reinigen und abtrocknen. Am besten mehrere Näpfe im Wechsel nehmen, damit die anderen richtig durchtrocknen können. Brunnen während dieser Zeit möglichst nicht benutzen und nach einer Giardose erst gründlich heiß reinigen.

Futternäpfe: Nach jeder Fütterung heiß – sie oben – reinigen und auch mehrere im Wechsel benutzen.

Schlafplätze der Katzen: Alles, was bei Kochwäsche möglich ist, wöchentlich waschen, alle anderen abdampfen. Damit die Bettchen nicht zigmal gewaschen werden müssen, empfiehlt es sich, kochfeste Handtücher für die Giardienzeit drüberzulegen und diese wöchentlich zu wechseln.

Kratzbäume, Höhlen + Körbchen: Einmal wöchentlich heiß reinigen. Hier ist ein Dampfreiniger am besten, einfache gibt es schon für unter 40 Euro zu kaufen. Angenehmer Nebeneffekt: Sie haben jetzt einen Dampfreiniger, mit dem sich kleine Malheure (Erbrochenes, Urin, Kot) sehr viel leichter und hygienischer beseitigen lassen.

Alle anderen Orte, an denen sich Ihre Katzen aufhalten: Dampfreiniger für Ihren normalen Reinigungsrhythmus ist am einfachsten.

Katzenklo: Vor allem in der Anfangszeit der Behandlung am besten mehrmals täglich die Klumpen entsorgen. Zum Thema Streuwechsel scheiden sich die Geister, die einen sagen ein wöchentlicher Streuwechsel samt Ausdampfen des Klos reicht, die anderen empfehlen einen täglichen Streuwechsel. Sollten Sie sich für letzteres entscheiden, gibt es einen Tipp zum Streu Sparen: zerknüllen Sie etwas Zeitungspapier und legen das unter eine dünne Streuschicht, so verbrauchen Sie weniger Streu.

Lassen Sie sich bitte von dem eben Gelesenen nicht erschlagen, die bei Ihnen jetzt ausgelösten Vorstellungen sind viel schlimmer, als es in der Realität sein wird. Letztendlich ist es eine Sache planvollen Vorgehens, sodass der Mehraufwand des Putzens keine so große Rolle spielt und Ihnen leicht von der Hand gehen wird. Also, durchatmen, sacken lassen, Plan machen, Plan abarbeiten!

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne in unserem Forum zur Verfügung: Forum von Petsnature


© Katja Tuszynski – www.marcating.de

Quellen Fotos: Wikipedia