Gingivitis bei Katzen

Als Gingivitis bezeichnen Medizinier eine Zahnfleischentzündung. Gingiva ist der lateinische Begriff für Zahnfleisch und die Endung -itis bezeichnet die Entzündung. Viele Katzen leiden im Laufe ihres Lebens mindestens ein Mal an einer Entzündung des Zahnfleisches, die meisten Katzen betrifft dies allerdings wesentlich häufiger.

Oftmals geht eine Gingivitis mit anderen Erkrankungen des Maul-Rachen-Raumes einher:

  • Gingivahyperplasie = Schwellung oder Wucherung des Zahnfleisches
  • Zahnstein
  • Parodontitis= Entzündung des Zahnhalteapparates
  • Stomatitis = Entzündung der Mundschleimhaut
  • Pharyngitis = Entzündung des Rachens
  • FORL = Feline odontoklastische resorptive Läsionen


Je nach Ursache und Verlauf der Gingivitis können diese weiteren Erkrankungen daraus entstehen. Zahnstein ist die häufigste Ursache  für eine Gingivitis. Oftmals sind diese Erkrankungen für die Katze sehr schmerzhaft, wobei die Tiere diese Schmerzen gut verstecken können. Wir Menschen bekommen oftmals erst etwas mit, wenn das Unwohlsein der Katze so stark geworden sind, dass sie sie nicht mehr vor uns verbergen kann. Schmerzen und Krankheit sind aus Katzensicht „Schwäche“, etwas was sie sich in freier Wildbahn nicht leisten kann zu zeigen.

Viele verschiedene Ursachen können zu einer Zahnfleischentzündung führen, die häufigsten sind:

  • Bakterien: Bakterien siedeln sich im Zahnbelag und am Zahnstein an
  • Viren: Einige Virenerkrankungen wie Leukose, Katzenschnupfen oder FIV können eine Gingivitis verursachen.
  • Verletzungen: Im verletzten Zahnfleisch können sich leichter Erreger ansiedeln und Entzündungen auslösen.
  • Mangelernährung: Eine nicht ausreichende Versorgung mit allen lebenswichtigen und essentiellen Nährstoffen kann zu einer Gingivitis führen.
  • Veranlagung: Fehlstellung der Zähne oder eine genetische Disposition können auch die Gründe für eine Zahnfleischentzündung sein.


Symptome einer Gingivitis

Die folgenden Symptome können bei einer Gingivitis entstehen, sie können aber auch bei vielen anderen Erkrankungen vorkommen:

  • geschwollenes Zahnfleisch
  • vermehrtes Speicheln
  • vermehrtes Schmatzen
  • Mundgeruch
  • Appetitlosigkeit
  • mitten im Fressen wegrennen
  • Anfauchen des Futters
  • Kopfschiefhaltung beim Fressen
  • klappernder Unterkiefer beim Gähnen
  • Fauchen beim Gähnen
  • Kratzen mit der Pfote am Maul


Wenn Sie bei Ihrer Katze eines dieser Symptome bemerken, sollten Sie sie auf jeden Fall untersuchen lassen. Wie oben schon erwähnt, sind unsere Katzen Meister im Verbergen von Krankheiten und Schmerzen.

Diagnose einer Gingivitis

Wenn das Zahnfleisch gerötet oder gar geschwollen ist, liegt die Diagnose Gingivitis recht nahe. Aus zwei Gründen ist es wichtig die Ursache der Gingivitis festzustellen. Zum einen gibt es je nach Ursache unterschiedliche Behandlungsansätze, zum anderen kann eine Gingivitis und eventuelle Folgeerkrankungen (siehe oben) schnell chronisch und damit schwer behandelbar werden.

Ein Tierarzt sollte eine genaue Anamnese erstellen. Sofern Zahnstein vorhanden ist, sollte dieser vom Tierarzt unter Vollnarkose entfernt werden. Je nach Symptomen und Vorgeschichte können Abstriche sinnvoll sein um etwaige Virenerkrankungen auszuschließen. Eine Röntgenuntersuchung mit Dentalröntgen ist bei Verdacht auf FORL wichtig. Detailiertere Informationen zu FORL lesen Sie in unserem Artikel FORL bei Katzen.

Behandlung einer Gingivitis

Sofern Zahnbelag und Zahnstein vorhanden sind, sollten diese im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung unter Narkose entfernt werden. Auch lockere Zähne sollten gezogen und die Zahnfleischtaschen gereinigt werden. Anschließend sollte die Zahnoberfläche zur Glättung polliert werden. Sprechen Sie Ihren Tierarzt darauf an, ob die Pollitur auch durchgeführt wird - in einigen Praxen gehört dies bei einer Zahnsteinentfernung leider noch immer nicht zum Standard. Eine glattere Oberfläche der Zähne verzögert das erneute Anhaften von Plaque und Zahnstein. Je nach Zustand der Maulhöhle und Stärke des Zahnsteinbefalls wird der Tierarzt eine Behandlung mit Antibiotika empfehlen.

In den meisten Fällen reicht dieses schon aus und die Gingivitis geht zurück. Wenn sie jedoch schon weiter fortgeschritten ist oder nicht der Zahnstein die Ursache der Zahnfleischentzündung war, geht die Behandlung weiter. Im Falle einer Veranlagung zu Zahnstein ist es sinnvoll, der Katze regelmäßig die Zähne zu putzen. Dies ist jedoch aufgrund der Natur und des Wesens unserer Katzen meistens nicht einfach umzusetzen. Im folgenden Artikel finden Sie eine gute Anleitung um das Zähneputzen mit Ihrer Katze zu trainieren:

Zähne putzen

Wenn trotzdem weiterhin eine chronische und schmerzhafte Zahnfleischentzündung besteht, gibt es verschiedene Wege, die man ausprobieren kann. Diese Art von Gingivitis – oftmals gepaart mit einer Stomatitis – ist sehr hartnäckig und sehr schwer zu behandeln. In der Schulmedizin versucht man es bei sehr hartnäckigen Fällen mit Interferon- oder Hormontherapien. Im Sinne der Schmerzsenkung hat sich eine Cortisongabe bewährt. Allerdings heilt Cortison nicht, es unterdrückt die Zahnfleischentzündung nur und birgt bei dauerhafter Gabe einige Nebenwirkungen. Nicht selten kann es unter einer langzeitigen Cortisongabe zu Diabetes mellitus oder dem Cushing-Syndrom kommen. Tierheilpraktiker versuchen mit einem ganzheitlichen Behandlungsansatz das Immunsystem zu stärken und so die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen

Doch oft quälen sich Katzen mit einer starken chronischen Gingivitis sehr, ihre Lebensqualität und –freude leidet. Wenn beispielsweise FORL die Ursache für die Zahnfleischentzündung ist, kann es eine sinnvolle Alternative sein alle Zähne ziehen zu lassen. Für uns Menschen ist es eine schreckliche Vorstellung alle Zähne auf einmal zu verlieren. Doch unsere Katzen kommen sehr gut ohne ihre Zähne zurecht. Sie haben das Gebiss eines Fleischfressers mit einer harten Gaumenplatte, es dient somit nicht dem Kauen sondern dem Reißen von Fleisch. Viele Katzen erholen sich innerhalb weniger Tage nach dieser Operation und fressen nach dem Abklingen der Wundschmerzen fröhlich ihr Nass- und Trockenfutter. Diese „Hauruck-Methode“ ist oftmals der regelmäßigen Tortur eines Tierarztbesuches, den wiederholten Narkosen und den dauerhaften Schmerzen vorzuziehen.

Wenn eine virale Erkrankung die Ursache der Gingivitis ist, ist es wichtig den akuten Schub der Viruserkrankung zu bremsen. Häufig kann ein Immunsystem stimulierendes Mittel dabei hilfreich sein, das hängt von der Art der Viruserkrankung ab. Bei manchen viralen Erkrankungen ist der Einsatz von Cortison nicht geeignet, da das Cortison das Immunsystem unterdrückt und somit die Viruserkrankung schneller voran schreiten kann.

Über Sinn oder Unsinn bestimmter Trockenfuttersorten oder Leckerlis, die die Zähne reinigen sollen, wird von Fachleuten gestritten. Dagegen haben Langzeitbeobachtungen von roh ernährten Katzen gezeigt, dass sie im Vergleich zu anderen Katzen seltener zu Zahnstein neigen. Dies gilt vor allem, wenn die Katze regelmäßig größere Fleischstücke selbst zerkleinern muss.

Es ist sehr wichtig eine chronische Gingivitis zu bekämpfen. Zum einen beeinträchtigt sie das Wohlbefinden unserer Katze. Zum anderen für die Entzündig verantwortlichen Keime andere Organe schädigen, in dem sie sich darin ablagern. Besonders zu erwähnen ist hierbei Herz und Nieren. In Fachkreisen wird eine chronische Gingivitis durchaus als eine mögliche Ursache der chronischen Niereninsuffizienz angesehen.

Für weitere Fragen zum Thema oder einem Erfahrungsaustausch stehen wir Ihnen gerne in unserem Forum zur Verfügung: Forum von Petsnature


© Katja Tuszynski – 2011 – www.marcating.de
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Quellen:
Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V.
Wikipedia
Katzenfibel