Welpenschutz - was ist das?

Hartnäckig hält sich das Märchen vom sogenannten Welpenschutz. Aber was ist das überhaupt und gibt es Welpenschutz wirklich?

Die Sache mit dem Welpenschutz

welpenschutzDemnach verfallen erwachsene Hunde bei Kontakt zu Welpen durch deren Geruch und Optik automatisch in eine extreme Toleranz gegenüber dem Jungtier. Auch von Beißhemmung ist die Rede.
Welpenschutz bedeutet im Volksmund, dass dem Welpen nichts passiert, wenn er sich einem erwachsenen Hund nährt. So sind viele Welpenbesitzer völlig sorglos, wenn sie auf einem Spaziergang fremden Hunden begegnen.

Dieser Welpenschutz existiert nicht.

Eine Art "Welpenschutz" gibt es – wenn überhaupt – nur im eigenen Rudel. Und auch hier nur begrenzt! Im eigenen Rudel erfahren Welpen eine erhöhte Toleranz ihres sozialen Umfeldes. Trotzdem dürfen sie sich natürlich auch dort nicht alles herausnehmen und lernen von Geburt an, wie man sich seinen Artgenossen gegenüber korrekt verhält. Der Hund ist ein soziales lernendes Wesen, welches Spiel- und Verhaltensregeln im Alltag und durch Austausch erlernen muss, auch wenn ihm einige grundlegende Verhaltensweisen buchstäblich in die Wiege beziehungsweise in die Wurfkiste gelegt werden.

Wenn Sie sich dazu entschlossen haben, einen Welpen zu sich zu nehmen und groß zu ziehen, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Ihr Welpe hat ein Recht auf Kontakt zu anderen Hunden und lernt über diese Kontakte für sein weiteres Leben!

Beachten Sie aber bitte, dass nicht alle Hunde den Umgang mit Welpen gewöhnt sind und Welpen tolerieren. Es gibt Hunde, die schlicht einfach keine Welpen mögen und dies sollte man respektieren. Und während die einen beschließen, die Flucht zu ergreifen, zeigen die anderen deutlich, was sie von den wuseligen Hundekindern halten. Dies kann für einen Welpen sehr schnell unangenehm, im schlimmsten Falle auch tödlich enden.

Wie bei jeder Hundebegegnung sollten Sie Ihren Welpen erst einmal sichern, sprich anleinen, wenn Ihnen ein fremder Hund mit Halter entgegen kommt. Klären Sie dann, ob der andere Hund „mit Welpen kann“. Ist dies der Fall, sollten beide Hunde wieder abgeleint werden. Spielen mit einem angeleinten und einem freien Hund ist nicht nur unfair, es kann auch das Ausdrucksverhalten des angeleinten Hundes stark beeinflussen.

Tip: Auch, wenn der unbekannte Hund laut Aussage des anderen Halters mit Welpen verträglich ist, hinterfragen und beobachten Sie die Spielgewohnheit des anderen Hundes genau.

Haben Sie hierbei im Kopf, das es Hunde gibt, die sehr wild und unkoordiniert toben können und behalten Sie die Größen- und Kräfteverhältnisse der beiden Akteure im Auge. Eine ausgewachsene Deutsche Dogge mit heißblütigem Temperament stellt keinen geeigneten Spielkameraden für einen zehn Wochen alten Dackelwelpen dar. Zu groß ist die Gefahr, dass bei rüdem Spiel der Zwerg schnell das Nachsehen hat und überfordert ist oder verletzt wird.

Handeln Sie kritisch und überlegt im Umgang mit Ihrem Welpen. In jeder Situation!

Ausschlaggebend für diesen kurzen Artikel war eine Begegnung, die ich unlängst mit meinem (Zwerg)Schnauzer im Wald hatte. Hier wurde einmal mehr deutlich, dass sich der Mythos Welpenschutz hartnäckig gehalten hat.

Im Folgenden ein Beispiel, wie Hundebegegnungen nicht ablaufen sollten:

Mein Hund ist ein Hund – auch wenn er klein an Wuchs ist.Und ich kenne meinen Hund und weiß, mit welchem Typ Welpen er umgehen kann. Zwölf Wochen alte stürmische Neufundländerkinder gehören nicht zum „Klientel“ meines Rüden.Entsprechend hatte ich meinen Hund gesichert und auch deutlich gemacht, dass es angebracht wäre, den jungen Hund von uns fernzuhalten.Genau dies wurde in Frage gestellt und abgetan mit den Worten: „Meiner hat noch Welpenschutz! Und ist ja jetzt schon größer als der da“.

Es kam, wie es kommen musste, das unbedarfte Hundekind rannte buchstäblich in den Fang meines Hundes. Dieser packte zu, ließ nicht mehr los und schüttelte, was das Zeug hielt. Allgemeine Panik brach aus. Ich war heilfroh, dass Fußgänger die Szenerie beobachtet hatten und stehen geblieben waren, fürchtete ich schon Gerangel.
Nach einer gefühlten Ewigkeit waren die Hunde getrennt.
Der Halter des Welpen wetterte und beschimpfte mich. Der Welpe lag zitternd und wimmernd an den Füssen „seines“ Menschen.

Der dicke Pelz des kleinen Kerls hatte verhindert, dass es zu blutenden Wunden kam. Die Tatsache, dass der Welpe schon einiges an Gewicht mitbrachte, hat sicher zum verletzungsfreien Ausgang der Situation beigetragen. Aber einen Schock hatte das Hundekind allemal erlitten. Und der hätte ihm erspart bleiben können.

Wer Hunde hält, trägt Verantwortung. Für seinen Hund, physisch und psychisch. Und für sein Umfeld, Hund wie Mensch.

Umsicht, Akzeptanz und Toleranz – Schlagworte, die jeder Hundemensch leben sollte.

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© Diana Düpmann