Das Cushing-Syndrom

Das Cushing-Syndrom, benannt nach seinem Entdecker Harvey Williams Cushing, bezeichnet eine hormonelle Störung, bei der die Nebennierenrinde vermehrt Cortisol ausschüttet. Betroffende Hunde nehmen an Gewicht zu und verlieren ihr Fell.

Cushing-Syndrom - eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen des Hundes

Am Cushing-Syndrom – oft auch verkürzt als „Cushing“ bezeichnet - erkranken Hunde sind in der Regel ab einem Alter von acht Jahren. Hündinnen sind häufiger betroffen als Rüden. Dackel, Terrier, Pudel und Boxer erkranken häufiger, sie haben eine genetische Veranlagung (Disposition) für diese Erkrankung.

Cortisol ist als „Stresshormon“ bekannt und wird in Stresssituationen auf ganz natürlichem Wege vermehrt in den Körper abgegeben.
Grundlage hierfür ist ein normal funktionierender Hypothalamus (Schaltzentrale des vegetativen Nervensystem), welcher das Corticotrope Releasing Hormon produziert. Dieses CRH wirkt auf die Hypophyse (Hirnanhangdrüse, sozusagen ausführendes Organ des Hypothalamus), diese wiederum bildet nun das Adenocorticotrope Hormon. ACTH wirkt auf die Nebennierenrinde, welche darüber mit der Bildung von Cortisol beginnt.

Ursachen für das Cushing-Syndrom

  • In 90% der Fälle liegt das hypophysäre Cushing-Syndrom (Morbus Cushing) vor. Auslöser ist überwiegend ein (meist gutartiger) Tumor der Hypophyse, die darüber vermehrt ACTH produziert und somit für überhöhte Cortisolproduktion verantwortlich ist.
  • Seltener ist die Ursache ein in der Nebennierenrinde befindlicher Tumor, welcher unkontrolliert Cortisol produziert.
  • Daneben findet sich das Cushing-Syndrom noch als Folge einer medikamentösen Therapie, bei welcher Cortisol oder ACTH verabreicht werden. Hier spricht man von einem exogenen (von außen, über Medikamentengabe produzierten) Cushing-Syndrom.

Wie zeigt sich das Cushing-Syndrom?

Es gibt einige Anzeichen für das Cushing-Syndrom. In der Regel zeigt der betroffene Hund zwei oder drei Symptome. Nicht jedes Tier zeigt die gleichen Krankheitsbilder und auch die optisch wahrnehmbaren Ausprägungen sind unterschiedlich.

Appetit: deutlich gesteigert, bis zur regelrechten Fresssucht

Durst: betroffene Tiere trinken übermäßig viel. Entsprechend häufiger müssen sie urinieren, es kann zu Inkontinenz und Stubenunreinheit kommen.

Haut und Fell: es kommt zu sogenannter Pergamenthaut, die Haut kann sich dunkel verfärben, fettig sein und zu Mitessern neigen. Ein häufig beobachtetes Symptom ist Haarausfall beziehungsweise sehr dünnes Fell besonders am Rumpf. Das Fellwachstum kann verzögert sein und es kann zur Wundheilungsstörungen kommen. Auch wurde eine Neigung zu Blutergüssen, vermehrte Hautentzündungen und Pilzinfektionen beobachtet.

Muskulatur: Die Muskulatur bildet sich zurück, häufig werden ehemals agile Tiere und matt.
Geschlechtsorgane: Bei Rüden kommt es zur Hodenatrophie (Hoden verkleinern sich), bei Hündinnen setzt die Hitze verzögert ein oder bleibt aus.

Bauch: Es bildet sich eine sogenannte Stammfettsucht.

Leber: Es kommt zur Lebervergrößerung.

Skelettsystem: Neigung zu Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) und Bänderrissen.

Betroffene Hunde können an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) erkranken, auch steigt die Neigung zu Thrombosen (Blutgerinnsel, kann in allen blutführenden Gefässen auftreten), diese können tödlich enden. Einige Tiere hecheln vermehrt. Es können Verkalkungen in der Lunge auftreten.

Das Cushing-Syndrom entwickelt sich oft schleichend und kann vom Tierhalter lange Zeit als Auswirkung des normalen Alterungsprozesses fehlinterpretiert werden.

Diagnose des Cushing-Syndroms

CushingDie Diagnosestellung erfolgt auf Verdacht anhand der ersichtlichen Symptome (z. B. Veränderungen der Haut/des Fells, übermäßig gesteigerter Appetit, vermehrter Durst beziehungsweise vermehrtes Wasserlassen oder Inkontinenz) und ist nicht ganz einfach, denn sowohl beim Cushing-Syndrom als auch beim gesunden Hund schwanken die Cortisolwerte im Tagesverlauf auf völlig normale Weise.

Das sicherste Diagnosemittel sind Bluttests. Diese erfordern einen gewissen Aufwand und es kann erforderlich sein, den Hund einige Stunden in derTierarztpraxis zu lassen.
Für die erforderliche Diagnosestellung im Blutbild stehen zwei Verfahren zur Verfügung, bei denen dem Hund gezielt synthetische Hormone verabreicht werden. Anhand der Ergebnisse kann der behandelnde Tierarzt entsprechende Rückschlüsse auf die Erkrankung schließen. Je nach Verfahren kann der Tierarzt feststellen, ob der Auslöser der Erkrankung in einem Hypophysen- oder Nebennierentumor zu sehen ist.

Eine weitere Diagnosemöglichkeit ist die Untersuchung mehrerer Urinproben. Hier wird der erste morgendliche Urin untersucht. Bei drei positiven Urinproben - entnommen an unterschiedlichen Tagen - ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Hund am CushingSyndrom erkrankt ist.

Therapie des Cushing-Syndroms

Die Therapie richtet sich nach dem endgültigen Befund. In einigen Fällen kommt ein operativer Eingriff in Frage, bei welchem der an der Nebennierenrinde lokalisierte Tumor entfernt wird. Sinn und Erfolg einer solchen Operation ist abhängig von der genauen Lage des Tumors. Bei Hypophysen- also Gehirntumoren gestaltet sich ein chirurgischer Eingriff meist mehr als problematisch.

Am häufigsten wird die medikamentöse Therapie eingesetzt. Diese ist lebenslänglich erforderlich.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen einhergehend mit einer Überprüfung des Cortisolspiegels im Blut sind ratsam, um die Medikamentengabe entsprechend anpassen zu können.
Die Intervalle der erforderlichen Therapiekontrollen (Blutbild) werden individuell vom Tierarzt festgelegt. In der Regel sind sie zu Anfang der Therapie häufiger erforderlich, im weiteren Verlauf ist mit Kontrolluntersuchungen alle drei Monate zu rechnen.

Liegt ein Cushing-Syndrom aufgrund einer Cortison-Therapie vor, werden die cortisonhaltigen Medikamente langsam und vorsichtig abgesetzt.

Ist das Cushing-Syndrom erst einmal erkannt, ist die weitere Lebenserwartung bei entsprechender (rechtzeitiger) Behandlung sehr gut!

Verantwortliche Hundehaltung erfordert ein gewisses Maß an Beobachtungsgabe. Nichts, was der geliebte Vierbeiner in seinem täglichen Verhalten zeigt, passiert „nur so“. Oft kann der aufmerksame Hundemensch durch seine Beobachtungen, die er dem Tierarzt mitteilt, seinem vierbeinigen Freund sinnvolle Gesundheitsfürsorge angedeihen lassen und schlimmeres verhindern.

In diesem Sinne: Haben Sie ein Auge auf Ihren Liebling!

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© Diana Düpmann

Foto: Diana Düpmann

Quellen:
http://www.laboklin.de/pdf/de/news/laboklin_aktuell/lab_akt_0802b.pdf
http://www.svk-asmpa.ch/pdf/hund/artikel/2010_5_HM_Cushing_Syndrom.pdf
http://www.tierklinik-ingolstadt.de/pdf/cushing0001.PDF